Zittauer Gebirge: Tageswanderung [Update 2020]
Töpferbaude im Zittauer Gebirge mit Blick nach Norden

Zittauer Gebirge: Tageswanderung [Update 2020]

Heute nehme ich dich mit auf eine Tagestour in das Zittauer Gebirge (Žitavské hory) bzw. dem Naturpark Zittauer Gebirge. In ihm befinden sich die Kurort Johnsdorf samt Felsenstadt, der Kurort Olbin mit Burg und Kloster und der Luftkurort Lückendorf. Übrigens: Ich war auch im Vogtland auf einer schönen Grenzwanderung unterwegs.

Das Zittauer Gebirge

Das Zittauer Gebirge ist seit 2008 der 100. Naturpark Deutschlands und grenzt im Süden an die Tschechische Republik. Das Mittelgebirge weist markante Sandsteinformationen sowie Reste vom Haimsinsen-Buchenwald auf Gleichzeitig ist es Teil des größeren Lausitzer Gebirges (Lužické hory). Dieses liegt vor allem in Böhmen. Dieses Gebirge wiederum ist den Sudeten zugehörig. Sie verbinden das Erzgebirge mit den Karparten im Dreiländereck Polen-Tschechien-Slowakei.

Lage des Zittauer Gebirges in Deutschland
Lage des Zittauer Gebirges in Deutschland

In Regionen gesprochen ist das Zittauer Gebirge der südlichsten Teil der Oberlausitz. Letztgenannte umfasst ungefähr die deutschen Kreise Bautzen und Görlitz. 30% liegen hingegen im heutigen Polen. Auf die Minderheit der Sorben trifft man hier übrigens kaum, denn ihr Kernsiedlungsgebiet beginnt erst ungefähr ab Höhe Bautzen. Vor Ort trifft man auf schlesische sowie oberlausitzer Mundarten, tschechisch und polnisch.

Gerne würde ich an dieser an dieser Stelle mehr Geschichtliches bieten, doch ein stundenlanges Studium brachte mich an den Rand der Verzweiflung. Es sei gesagt, dass es sich hier um eine überaus bewegte Region handelt. Habsburger Herrscher, Sächsische Kurfürsten, preußische Könige, slawische Migration, nationale Grenzziehung, Teilungen und Vertreibungen prägen dieses Gebiet Mitteleuropas.

Meine Eintages-Tour in das Zittauer Gebirge, Oybin

Abfahrt aus Dresden

Dunkel und neblig ist es an diesem Morgen. Der ankommende Zug aus Zittau über Olbersdorf spuckt viele Pendler aus. Meine Fahrt Richtung Zittau ist ziemlich einsam. Um 07.32 Uhr verlässt der Zug den Hauptbahnhof Dresden. Ich tuckere über Dresdner Vororte bis nach Radeberg. Die Sonne zeigt sich am Horizont, doch dichter, grauer Nebel verschluckt sie. Immer und immer wieder. Ab Bischofswerda verlässt mein Zug die mir bekannte Strecke Richtung Görlitz und Polen.

Mit dem Trilex ins Zittauer Gebirge
Mit dem Trilex ins Zittauer Gebirge

Der TL RB61 nimmt eine Biege nach Südosten. Die Landschaft ist nun in ein helles Morgenlicht getaucht. Ich durchquere weite Täler voller Städtchen und Dörfer zu meiner Rechten und Linken. Es begleitet mich ein wunderschöner Blick auf die nördlichen Ausläufer des Lausitzer Gebirges. Sanfte Berge getaucht in bunten Farben umhüllt von den letzten weißen Nebelschwaden. Einige erloschene Vulkankegel mischen sich darunter.

Mein Zeitplan ist heute sehr knapp, denn die Anfahrt zum ausgewählten Startpunkt der Wanderung dauert 2 Stunden und 40 Minuten. Am Bahnhof Zittau angekommen, geht es mit dem Bus für unter 3€ in den Kurort Oybin. Die wunderschön restaurierte Stadt Zittau muss ich heute leider links liegen lassen. Ich komme wieder!

Wie du einen spannenden Tagesausflug im Zittauer Gebirge erleben kannst, zeige ich dir hier beispielhaft anhand meiner Tour von Dresden aus.

Meine Wanderung im Zittauer Gebirge

Auszeit an der Töpferbaude

Oybin ist ein kleiner, beschaulicher Ort in einem wahrhaftig waldigen Tale. Der Ort ist nach dem gleichnamigen Berg benannt. Über dem Bahnhof und auf besagtem Berg thront eine Burg- und Klosterruine. Ich steige einige Treppen hinauf bis zum Eingang, habe aber wenig Lust 6€ Eintritt zu zahlen. Es bietet sich hier trotzdem bereits ein schöner Anblick dessen, was mir heute bevorsteht. Ich gehe zurück zum Bahnhof und wende mich der Töpferstraße zu. Hinauf in den Wald. Ziel es, das halbe Tal auf dem südwest-gerichteten Kamm abzulaufen.

Ich schnaufe gut, während ich den teils sehr steilen Weg hinter mich bringe. Dichter Herbstwald umgibt mich und erste drei bis vier Meter hohe Sandsteinblöcke ragen aus dem Boden. Moos bedeckt sie an allen Ecken und Kanten. Ich umrunde einige dieser großen Steine und wage mich hinauf. Der Abenteurer in mir möchte immer auf alles raufklettern. Ein Paradies für Leute, die Spaß am Kraxeln finden.

Nur dreißig Minuten nach dem Bahnhof habe ich die Töpferbaude erreicht. Man hat hinter der Baude eine Eisenplattform in einen großen Sandsteinturm gebaut, sodass auch weniger kletteraffine Wanderer in den Genuss des Blicks kommen. Vor mir erstrecken sich flache Ausläufer des Zittauer Gebirges Richtung der namensgebenden Stadt. Sogar bis zum Tagebau auf polnischer Seite kann man schauen.

Blick nach Osten von der Töpferbaude
Blick nach Osten von der Töpferbaude

Felskraxelei im Zittauer Gebirge

Weiter über die böhmische Aussicht geht es zum Scharfenstein. Er ist einer der bekanntesten Aussichtspunkte auf das Oybiner Tal. Die steile Metalltreppe bis auf den Gipfel ist mir jedoch etwas zu öd, und so erklimme ich lieber eigenhändig die Scharfensteinnadel. Das geht problemlos mit etwas Erfahrung, wenn man sich traut und schwindelfrei ist. Ich trage mich in das Gipfelbuch ein.

Felskraxelei am Scharfenstein mit Blick auf den Berg Oybin
Felskraxelei am Scharfenstein mit Blick auf den Berg Oybin

Klettersteig Alpiner Grat

In der weiterführenden großen Felsengasse bieten sich mir unzählige Möglichkeiten, um mich an den Steinen auszutoben. Sie sind inzwischen bedeutend größer als ein paar Meter und bieten fantastische Blicke ins Tal. Etwas weiter gen Südwesten erreiche ich dann die berühmte „versteinerte Taube“. Ohne ihn groß gesucht zu haben, finde ich hier den Einstieg (bzw. Ausstieg?) für meinen Klettersteig „Alpiner Grat„. Ich schwinge mich über das Geländer auf einen Vorsprung und lege die Klettersteigausrüstung an. Im Bereich C/D habe ich für 30 Minuten meinen Spaß an der Felswand. Ein Tal weiter, bei Johnsdorf, gibt es den wohl spannenderen Nonnensteig.

Der Weg bringt mich weiter auf dem Gebirgskamm in den Muschelsaal. Ich habe es gar nicht geplant in diesen zu gehen, aber so groß ist das Gelände hier nun auch nicht. Die verformten Oberflächen beeindrucken mich und lassen mich an meine Geographie-Ausbildung an der TU Dresden zurückdenken. Etwas an der Wand vorbei erspähe ich dann eine grauenhafte Hexe. Angsteinflößend bei Dunkelheit!

Eine Hexe im Muschelsaal
Eine Hexe im Muschelsaal

Kelchsteine im Zittauer Gebirge

Ich bin fast am Ende der Tour. Am südlichen Ende des Kamms treffe ich auf die tschechische Grenze. Ich gehe ein paar Meter zurück gen Osten und raste am Hochwaldblick. Mit ein paar Sonnenstrahlen wäre der Blick wohl fantastisch, aber heute bleibt es doch sehr grau. Es ist nun bereits 15.00 Uhr und ich gehe zur letzten Sehenswürdigkeit, den Kelchsteinen.

Starker Eisenaustritt und Windschliff gepaart mit Niederschlag ließen hellrote 18-Meter hohe Hohlkehlformen entstehen. Mitten im Wald stehen. Um sie herum nur Wald. Unglaublich spannend, wenn ich mir vorstelle wie man hier hoch kommt. Die Sachsen sind – wenn auch umstritten – Pioniere im Felsklettern. In diesem Interview nimmt gar Reinhold Messner Partei für die Sachsen. Die Kletterei beginnt hier ab dem Grad VIIc. Wie man den bekanntesten dieser Steine besteigt, sieht du hier.

Kelchstein
Kelchstein

Kindheitsträume: Rückfahrt mit der Dampflok

Zurück in Oybin stehe ich vor der Wahl: den selben Bus zurück, oder die altehrwürdige Dampflok? Die Wahl fiel auf Letztere als Belohnung für meine Tour. Gemeinsam mit gut 30 weiteren Personen bestieg ich den Zug im offenen Abteil ohne Dach. Seit 1890 verbindet die Zittauer Schmalspurbahn über 13 Kilometer die beiden Erholungsorte Johnsdorf und Oybin mit der Stadt. Heute ist sie eine beliebte touristische Verbindung. Die Fahrt kostet 9€ für Erwachsene.

Zittauer Schmalspurbahn
Zittauer Schmalspurbahn

Was mache ich im Zittauer Gebirge?

Grundsätzlich gibt es die beiden Kurorte Oybin und Johnsdorf als Ausgangspunkt. Sie sind über zwei Stunden Wanderweg miteinander verbunden. Beide Täler bieten Klettermöglichkeiten, Klettersteige, ausgedehnte Wanderwege bis nach Tschechien sowie historische Bauten. Genießt die Stille, die Natur und werde dir bewusst, wie weit weg die Großstadt ist.

Wo übernachte ich?

Da das Dreiländereck recht abgelegen ist, empfehle ich, ein ganzes Wochenende einzuplanen. Zur Sommerzeit wird es stark gebucht. Quartiere dich gerne in Zittau ein, oder baut ein weiteres, spannendes Ziel der Umgebung ein: die tschechische Stadt Liberec (Reichenberg) ist mit Zittau in 40 Minuten per Zug erreichbar. Es bieten sich weitere Wandermöglichkeiten vor Ort in den Sudeten.

Wie komme ich ins Zittauer Gebirge?

Aus Berlin kommend, erreichst du Zittau mit Umstieg in Dresden oder Cottbus in dreieinhalb Stunden mit dem Zug. Auch aus Prag dauert es dreieinhalb Stunden. Das Auto macht dich vor Ort mobiler, aber schneller erreichst du damit das Ziel nicht. Ich empfehle aus Deutschland kommend definitiv die Zugfahrt über Dresden.

Wie du einen spannenden Tagesausflug im Zittauer Gebirge erleben kannst, zeige ich dir hier beispielhaft anhand meiner Tour von Dresden aus.