Sächsische Grenzwanderungen Teil II: Das Elstergebirge im Vogtland
Ein Rastplatz mit Waldblick

Sächsische Grenzwanderungen Teil II: Das Elstergebirge im Vogtland

In diesem zweiten von vier Teilen, nehme ich euch mit auf eine Tagestour in das sächsische Vogtland. Im ersten Teil habe ich eine Wanderung im Osten Sachsens, im Zittauer Gebirge, vorgestellt. Heute bewegen wir uns ganz im Südwesten Sachsen; Auch wenn man hört, dass der gemeine Vogtländer lieber nicht mit Sachsen gleichgesetzt werden möchte. Hier lebt man Regionalstolz. Meine Recherchen im World Wide Web dazu, dass manche gar ein eigenes Bundesland gründen mochten, sind leider nicht von Erfolg gekrönt.

Die Lage des Vogtlands in Deutschland. Original von Mario Schmalfuß, bearbeitet. Grün-gestreift: bayerischer Anteil. Rot-gestreift: Böhmischer Anteil
Die Lage des Vogtlands in Deutschland. Original von Mario Schmalfuß, bearbeitet. Grün-gestreift: bayerischer Anteil. Rot-gestreift: Böhmischer Anteil.

 

Eine Beschreibung des (historischen) Vogtlands

Der Begriff Vogtlandt stammt von den mittelalterlichen Adelsfamilien der Städte Gera, Weida und Plauen (ca. ab dem 12. Jahrhundert). Ein Vogt ist der Vertreter eines feudalen Herrschers und regiert in dessen Namen (hier der deutsche Kaiser). Bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts regierten diese das Vogtland. Seitdem war der Raum zwischen Königreichen und Fürstentümern – heute 3 Bundesländern und zwei Nationen – gespalten.

Das historische Vogtland reicht vom thüringischen Gera im Norden bis zur bayrischen Stadt Hof im Süden. Im Südosten reicht es mit dem Elstergebirge bis in den tschechischen Ascher Zipfel hinein. Im Nordosten gehört das Westerzgebirge – wenn auch nicht naturräumlich – noch teilweise dazu. Hier befindet sich mit dem Schneehübel (974m) auch der höchste Punkt. Der westliche Grenzverlauf nimmt das ostthüringische Schiefergebirge mit und endet im westlichsten Ausläufer vor Saalfeld.

Das sich die Vogtländer [Vuuuchtländer] gerne auch als solche bezeichnen, hat sicherlich Gründe, über die ich nur spekulieren kann. Zum einen sind hier vier eigene Mundarten vertreten: Nordbairisch, Thüringisch-Obersächsisch, Ostfränkisch und sogar Westerzgebirgisch. Wirtschaftlich war das Vogtland durch die Herstellung Plauener Spitze, Maschinenbau und Musikinstrumentenbau bekannt, wobei letzteres weltberühmt ist. Heute ist die Region insgesamt ökonomisch stark abgehängt.

Auf Wanderung im Musikwinkel

Anfahrt zum Musicon Valley

Meine heutige Wanderung führt mich ins Musicon Valley. Ganz im Südosten des Vogtlands – bei Markneukirchen und angrenzenden Gemeinden – befand sich bis zum 2. Weltkrieg das globale Zentrum des Musikinstrumentenbaus. Die Kleinstadt Markneukirchen war zeitweise die reichste Stadt Deutschlands und hatte gar ein US-amerikanisches Konsulat.  Auch heute noch werden Instrumente hergestellt und in die ganze Welt verschickt. Um den Bau zu erlernen, kommen Menschen ebenso aus der ganzen Welt angereist.

Ich habe mich bei einem Freund in Zwickau einquartiert und nehme bereits am sehr frühen Morgen die Vogtlandbahn nach Adorf. Mit etwas Umsteigezeit nehme ich einen kurze Busfahrt nach Markneukirchen auf mich.  Die Strecke bis in die letzte deutsche Ecke, den Kurort Erlbach an der tschechischen Grenze, erlaufe ich von hier in 30 Minuten. Die Häuser zeugen von großem Wohlstand, was in so einer entlegenen Ecke trotz des Wissens um die Historie überrascht.

Straßenszene im Kurort Erlbach
Straßenszene im Kurort Erlbach

 

Auf dieser kurzen Strecke wird mir bewusst, warum ich diese Gegend so mag. Weite, offene Wiesen mit Pferden und Kühen sowie dichte Wälder und sanfte Hügel sind ein wahrer Augenschmaus. Die Luft wirkt so rein, wie eine größere Stadt nur entfernt sein kann. Ein leichter Wind weht und die Sonne kämpft gegen die tiefliegenden Wolken.

Auf dem Weg von Markneukirchen nach Erlbach
Auf dem Weg von Markneukirchen nach Erlbach

 

Zum Hohen Stein

In Erlbach geht es dann zum Ortsteil Eulabrunn, welches mit einem spannenden Freilichtmuseum auf mich wartet. Die anwesende Mitarbeiterin beantwortet mir viele Fragen zur heutigen Situation in der Gegend. Vielen Dank dafür! Das Museum ist auf jeden Fall seine Zeit wert und ist sehr gut gepflegt. So lerne ich, dass auch hier eigene Trachten getragen wurden, diese jedoch kaum durch die Trachtenforschung (was es nicht alles gibt) Beachtung finden. 

Tracht im oberen Vogtland; ausgestellt im Freilichtmuseum Eulabrunn
Tracht im oberen Vogtland; ausgestellt im Freilichtmuseum Eulabrunn

 

Ein historischer Hof im Freilichtmuseum Eubabrunn
Ein historischer Hof im Freilichtmuseum Eulabrunn

 

Ich halte mich hier eine gute Stunde auf und betrachte intensiv das wiederhergestellte Gut. Da es bereits November ist, muss ich mich nun sputen. Der Weg zum Hohen Stein/Visoky Kamen (773m ü. NN) ist von hier ausgeschildert. Über Stock und Stein, durch Wald und Wiesen geht es einen Feldweg hinauf. Dank offener Grenzen ganz unbemerkt, gelange ich auf tschechischen Boden. Kaum vorstellbar, dass ich hier vor 28 Jahren nicht hätte wandern dürfen. 

Ein erleuchteter Pfad im Elstergebirge
Ein erleuchteter Pfad im Elstergebirge

 

Der Bergrücken wird von Norden nach Süden verlaufend durch markante Quarzit-Felsblöcke geprägt. Während über die Zeit geomorphologisch angreifbareres Gestein langsam verwitterte und erodierte, blieben diese harten Brocken bestehen. Der berühmteste ist heute mit einer kleinen Stahlkonstruktion begehbar. Hier finde ich eine interessante Aussichtstafel von 1927.

Orientierungstafel auf dem Hohen Stein an der deutsch-tschechischen Grenze
Orientierungstafel auf dem Hohen Stein an der deutsch-tschechischen Grenze

 

Ich verbringe hier einige Zeit, um Fotos anzufertigen. Ich versuche auf die zwei stehengebliebenen Säulen zu bouldern, scheitere allerdings am Zweiten. Der Sturz aus fünf Metern (bzw. teils zehn Metern zur hinteren Ebene hin) ist mir dann doch zu riskant. Ich ärgere mich, dass ich die Kletterschuhe nicht dabei habe!

Blickrichtung sächsisches Vogtland auf dem Hohen Stein
Blickrichtung sächsisches Vogtland auf dem Hohen Stein

 

Wieder hinab ins Tal

Von hier aus geht die Wanderung gen Norden zum Vogelberg. Der Wald lichtet sich ein wenig. Ich verlasse den Kamm und es geht merklich auf und ab. Ich stoße auf eine Lichtung mit einem Rastplatz am Rande einer kleinen Skipiste mit Ankerlift. Fun Fact: wer Skifahren mag, findet hier Sachsen steilste Piste.

Nichts als Wald, Wald und noch mehr Wald gibt es hier in einer einzigen Wand zu bestaunen. Einen Aussichtspunkt finde ich leider nicht. Doch auf halbem Weg ins Tal tankt sich die Sonne kräftig durch die Wolken, sodass ich mich in relativ trockenes Gras legen kann. Wie lange ich einschlafe, weiß ich nicht.

Ein Rastplatz mit Waldblick
Ein Rastplatz mit Waldblick

 

Wald soweit das Auge reicht
Wald soweit das Auge reicht

 

Mit der Ankunft im Tal wandere ich zurück in den Luftkurort Erlbach. Die Luft ist rein, frisch und die Sonne stärkt. Vorbei an einer Viehherde, ziehe ich langsam zurück ins Dorf. Gerne würde ich hier noch ein wenig mehr Zeit verbringen. Ein wenig ärgert es mich, dass ich nicht sonderlich an Instrumenten interessiert bin. Die Museen der Region und Familienunternehmen bieten sicherlich einiges für Interessierte. 

Kulturlandschaft im oberen Vogtland
Kulturlandschaft im oberen Vogtland

 

Bahnhof Adorf, das Tor zum oberen Vogtland
Bahnhof Adorf, das Tor zum oberen Vogtland

 

Tagesausklang in Plauen in der 5. Liga

Ich genieße heute aber zum Ausklang lieber die schöne Aussicht und die ebenso schöne Fahrt durch das Vogtland. Es geht wieder von Adorf los, diesmal mit Haltepunkt Plauen. Mein Freund aus Zwickau und ich besuchen noch einen Freund. Er ist Vorstandsmitglied und -sprecher des Vogtländischen Fußballclubs Plauen. Zum heutigen Spiel der NOFV-Oberliga (5. Liga) war der FC Internationale Leipzig zu Gast. Er setzte sich letztlich in einer Atmosphäre beinahe-fliegender Zuschauersitzschalen mit 1:2 durch. Gutes Bier, ein von Wald umhülltes Stadion, 500 Zuschauern und mächtig Trubel setzten einen entspannten Schlusstrich unter diesen Tag. Prost!

Was kann ich im Vogtland unternehmen?

Das Vogtland ist wahrlich nicht arm an Möglichkeiten der Beschäftigung. Sportliche Radfahrer finden in Schöneck einen Bikepark mit 4 Strecken. Der Flowtrail spricht mir relativ Ungeübtem noch am ehesten zu. Räder und Ausrüstung gibt es vor Ort. Fürs Skifahren würde ich mich eher auf Langlauf konzentrieren, oder man fährt ins Erzgebirge zum bekannten Fichtelberg (nicht zu verwechseln mit dem Fichtelgebirge!).

Wanderfreunde werden entweder im oberen Vogtland fündig, oder begeben sich in den Naturpark Thüringer Schiefergebirge/ Obere Saale. Hier findet man Ortschaften mit Häusern, welche bis heute ganz im Stil der alten abgebauten Schieferplatten mit diesen gedeckt sind. Auch das Thüringer Meer lädt zum verweilen.

Und auch Bahnfreunde kommen nicht zu kurz. Im Vogtland befindet sich die weltweit größte Ziegelsteinbrücke für den Zugverkehr: die Göltzschtalbrücke. Meine Empfehlung für eine Bahnfahrt startet übrigens in Leipzig. Von hier fährt die Erfurter Bahn bis nach Hof. Wer das ländliche Deutschland aus dem Zug heraus betrachten will, oder es seinen Besuchern näher bringen möchte: Dies ist eine märchenhafte Fahrt im Mittelgebirge!

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