Buchenwald Grumsin: eine Bilderbuchwanderung

Buchenwald Grumsin: eine Bilderbuchwanderung

Im Nationalpark Jasmund, Hainich, Müritz (Serrahn) und im Brandenburger Buchenwald Grumsin bietet Ostdeutschland gleich vier Orte, um unseren ganz eigenen Urwald zu entdecken. Nur einen Tagesausflug von Berlin entfernt, kannst du dich ganz dem Waldbaden hingeben und deine Sinne für das Hier und Jetzt schärfen.

Lage der Naturwelterbegebiete sowie die natürliche Verbreitung europäischer Buchenwälder; Grafik: weltnaturerbe-buchenwaelder.de

Das kleine, pittoreske Altkünkendorf liegt inmitten des UNESCO Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin in einer eiszeitlichen Landschaft. Umgeben von markanten Höhenzügen, tiefen Senken, dichten Wäldern und offener Landschaft wirkt das kleine Dorf noch ruhiger als es sonst schon ist. Die evangelische Dorfkirche überthrohnt den Ort, an dessen Seite sich das ländlich gestaltete Gebäude des Infozentrums „Unesco-Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin“ schmiegt. Vor dessen Türe hört man am Wochenende das dumpfe Abrollen der Pkw-Reifen über schief stehendes Kopfsteinpflaster.

Berliner Tagesausflügler sorgen jetzt am Wochenende für mehr Betriebsamkeit als vermutlich sonst im Dorfalltag herrscht. Ich reihe mich in diese Gesellschaft ein. Über eine äußerst unbequem und spärlich zusammengeflickte „Asphalt“-Straße kommend stelle ich das Auto ab. Motor aus, Sinne an.

Startpunkt vieler Wanderung im Buchenwald Grumsin: Altkünkendorf
Startpunkt vieler Wanderungen im Buchenwald Grumsin: Altkünkendorf

Buchenwald Grumsin: Ein Tagesausflug

Tief im Wald

Ganz entspannt geht der Schritt Richtung Feldsteinkirche. Der Himmel ist wolkenverhangen. Die Sonne kann sich nicht durchsetzen. Bevor ich die anstehenden 21 Kilometer rund um den Wald beginne, suche ich das Infozentrum auf, welches heute geöffnet hat. Vollgepackt mit vielen Infos und anschaulichen Karten im Kopf geht es danach auf einen der vier Buchenwege: grün, gelb, orange oder rot? Der Rote mit seinen 21 Kilometern soll es werden.

Meine Strecke findest du übrigens auf Komoot.

Das Dorf nach Süden verlassend wandere ich ein Stück auf der zusammengeflickten Straße. Der Buchenwald Grumsin ragt nun bereits groß und mächtig empor. Bis zu 30 Meter werden die Buchen groß und beeindrucken die Besucher*innen. Noch viel größer wirken sie aber, weil sie auf einem hohen Endmoränenzug der letzten Eiszeit stehen. Mein Weg verlässt nun die Straße.

Der Wald empfängt mich in absoluter Stille. Kein Wind weht, keine Blätter rascheln. Es ist Mitte Oktober und alle Bäume tragen überraschenderweise noch recht viel Grün. Der Boden ist übersäht mit plattgetretenen orangenen Blättern aus dem Vorjahr. Unter dem immensen Laubdach der Buchen wachsen nur wenige Pflanzen, sodass der Blick frei ist; mitten hinein in den Wald. In den Senken zwischen den Höhenzügen werden tiefgrüne Moore und Kleinstgewässer sichtbar und ergeben ein faszinierendes Bild.

Buchenwald Grumsin

Mein Augen wandern immer wieder nach links. Als Welterbefläche Grumsin kann ein Großteil der 590 Hektar des Biosphärenreservats, welcher links von mir liegt, nicht betreten werden. Die Wanderwege des Welterbes führen den Wandernden durch die äußeren Bereiche. Nur eine Führung, die ich an dieser Stelle von Bekannten besonders empfehlen soll, bringt dich dort hinein, wo keiner hin darf.

Das Süßmaul obsiegt

Vorbei am Großen Schwarzen See, biegt der rote Weg nun nach Osten. Die Sonne zeigt sich immer noch nicht, aber vielleicht würde ich das auch gar nicht merken. In die Jahre gekommenes Kopfsteinpflaster wölbt sich rund in der Längsachse des Weges. Jeder normale Wagen würde hier aufsetzen. Die Wege sind uralt und müssen schon vor Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten, den Menschen gedient haben. Es ist eine wahre Filmkulisse für Banditen, die eine Postkutsche im Wald überfallen.

Im kleinen Luisenfelde suchen zwei Studierende ein Stück Obstwiesenland zur Bewirtschaftung. Alte Sorten sollten erhalten werden und das Land beleben. Davon spricht ihre Anzeige an der Bushaltestelle, die zwei mal am Tag angefahren wird. Ich wünsche ihnen an dieser Stelle viel Glück. Die Ansammlung dreier Häuser und Ruinen in Luisenfelde bietet indes nicht die sehnlichst erwünschte Konditorei mit frischer Sahnetorte. Es geht weiter.

Ländliche Realitäten
Ländliche Realität in Luisenfelde

Unverhofft aus dem Wald getreten, begrüßt mich Zuchenberg mit modernen landwirtschaftlichen Gemäuern. Auch hier wartet keine Konditorei; nur eine Reithalle. Der rote Buchenweg erscheint mir in seiner Runde inzwischen als zu weit, das Süßmaul als zu groß. Ich schlage im World Wide Web nach, welches mich hier nicht im Stich lässt und finde den Genusswanderweg als Querfeldein-Variante zurück nach Altkünkendorf. Das muss es sein. Denn vielleicht hat der Weg seinen Namen ja nicht nur den genussvollen Landschaften und Aussichten zu verdanken…?

Es ward Licht und Kuchen

Sonia stößt nun endlich hinzu und ergießt ihre Strahlen über die Landschaft und den Wanderweg, der wahrhaftig ein Genuss ist. Er windet sich einen langen ausgestreckten Höhenzug hinauf. Beim Blick zurück erkenne ich bereits hinter all den scharrenden Windrädern die Hügellandschaften diesseits der Oder. In diesem Moment wieder ein großes Pony auf seiner ebenso großen Koppel. Hier ist die Ponywelt noch in Ordnung, denke ich mir.

Eiszeitliche Landschaft in der Schorfheide
Eiszeitliche Landschaft in der Schorfheide

Ich traue meinen Augen nicht: Menschen, Sonnenschirme, Kaffee und Kuchen. Wie ein Geschenk erscheint die bunte Galerie Louisenhof der gleichnamigen Häuseransammlung. Gut 20 Menschen genießen an diesem kalten Sonntag im Oktober die letztem wärmenden Sonnenstrahlen bei Kaffee und Kuchen vor der ausgebauten Atelierscheune. Drinnen stellen die Künstler*innen ihre Werke aus und gerade noch rechtzeitig mit mächtig Heißhunger erstehe ich Käse- und Marmorkuchen.

Mächtig glücklich führen mich die letzten der nun doch insgesamt 21 Kilometer erneut in den Wald. Die Sonne steht bereits tief genug am späten Nachmittag und wirft ihre Strahlen im flachen Winkel durch die Baumkronen. Ich verharre einige Augenblicke, sauge die frische Luft ein und vergrabe den Moment in meinem tiefsten Innern.

Atelier mit Café, Louisenhof
Atelier mit Café, Louisenhof
Buchenwald Grumsin
Blick mitten durch den Buchenwald Grumsin

Anreise in den Buchenwald Grumsin

Asche auf mein Haupt: Ich bin mit dem Auto angereist. Dabei geht es auch klimafreundlicher! Mit dem ÖPNV ist Angermünde mit dem RE3 vom Berliner Hauptbahnhof in 56 Minuten erreichbar. Von hier aus gibt es die Buslinie 452 und 496. Die zuständige Webseite des Weltnaturerbes informiert.

Überlegenswert ist es auch, das Rad mitzunehmen und nach Altkünkendorf zu radeln. Vorschlag: Am Samstag erkundest du den Buchenwald, in Angermünde übernachtest du in der Altstadt und am Sonntag stattest du dem Nationalpark Unteres Odertal mit dem Fahrrad einen Besuch ab. Klingt das nicht nach einem schönem Wochenende?

Wer früh fährt, muss im Sommer noch früher fahren. Nach meiner eigenen Erfahrung ist der Regionalexpress 3 immer rappelvoll.

Blick nach Altkünkendorf in der Nähe des Buchenwalds Grumsin
Blick nach Altkünkendorf in der Nähe des Buchenwalds Grumsin