Ostseeurlaub Polen: Sonne & Kommerz satt

Ostseeurlaub Polen: Sonne & Kommerz satt

Im Coronasommer 2020 stellte sich unweigerlich die Frage, wo man denn nun die freie Zeit im Ausland verbringen könne. Die Ideen waren so groß und schön gewesen: Backpacking über Land nach Georgien, die Ostsee umrunden, die Krim entdecken oder doch Albanien einen Besuch abstatten. Doch das Virus machte wohl uns allen einen Strich durch die Rechnung. Der Urlaub musste neu gedacht werden. Dabei lagen am Ende meine Partnerin und ich mit einem spontanen Ostseeurlaub in Polen irgendwie falsch und gleichzeitig richtig.

Karte der polnischen Ostseeküste
Karte der polnischen Ostseeküste – unser Ort der Wahl war Mielno

Ein Baumhaus in Mielno

Unsere recht spontane Wahl für den einwöchigen Strandurlaub fiel auf Mielno (Großmöllen) in der Woiwodschaft Westpommern (województwo zachodniopomorskie) – vor allem auf Grund eines Baumhauses. Wer träumt nicht davon, eine Woche in einem Baumhaus zu verbringen? Gefunden, gebucht. Mit voll gepacktem Rucksack und Radtaschen ging es mit dem Zug von Berlin über Szczecin (Stettin) nach Koszalin (Köslin) und von dort aus 15 Kilometer mit dem Rad an die hinterpommersche Ostseeküste.

Das Baumhaus war ein Tiny House auf großen Stützen inmitten zweier Bäume. Es war mit allem ausgestattet, was man so benötigte: Küchenzeile, Kühlschrank, Herd, (Mini-) Dusche, Bett, Tisch etc. Jedoch behaupte ich einfach mal, dass man so ein banal zusammengeschustertes Baumhaus in dieser Form niemals in Deutschland anbieten würde, dürfte und könnte. Es war furchtbar improvisiert – das eingebaute Dachfenster etwa war ein altes Caravan-Teil – und hatte deswegen aber auch den gewissen Ost-Charme.

Das Panoramafenster und die großzügige Veranda unseres Baumhauses boten einen herrlichen Blick auf den Jamnosee (Jezioro Jamno). Darüber hinaus gab es einen Pool, Wassersportgeräte (SUPs, Kajaks, Tretboote) und Brettspiele zum Ausleihen, und Frühstücksservice im Weidenkorb direkt auf’s Baumhaus. Es war also für alles gesorgt. Wer den Namen unserer Unterkunft wissen will, schreibt mir einfach 🙂

Unser Ostseeurlaub in Polen

Mielno als Badeort

Mielno (Großmöllen) ist ein kleiner Badeort auf einer Nehrung zwischen der Ostsee und dem Jamnosee. Der Ort hat neben wenig altem Gebäudebestand, einer kleinen Strandpromenade und ebenso kleinem Fischereihafen nichts Besonderes zu bieten – außer eben schönen Strand und frischen Fisch. Aber braucht es denn so viel mehr? Für die Polen leider schon und so ist die Hauptstraße gesäumt von Spielhöllen, Billigläden und weiterem Firlefanz. Es hat etwas von einem Jahrmarkt.

Der Ort entpuppte sich als polnischer Ballermann und Party-Hotspot für Jugendliche. Abendliche Saufgelage am Strand, wider dem Virus geöffnete Diskotheken und schallende Schlagermusik – das hatten wir weder gesucht noch erwartet. Es war nicht überbordend, aber dennoch bestimmend für den Charakter des Ortes.

Mit unseren mitgebrachten Rädern waren wir glücklicherweise mobil und konnten so dem Kommerz etwas entfliehen. Mit nur wenig Aufwand fanden wir wenig besuchte Strandabschnitte entlang der Ostseeküste und genossen die Sonne eben dort. Zusätzlich konnten wir mit unseren Rädern Supermarkteinkäufe tätigen und mussten diese nicht nach Hause schleifen. Großes Plus!

Tagesausflug nach Kolobrzeg (Kolberg)

Der rund 35 Kilometer westlich von Mielno gelegene Ostseehafen Kolobrzeg ist mit seinen 46.000 Einwohnern die größte Stadt an der Küste zwischen der deutschen Grenze und Danzig. Auf dem gut ausgebauten Fahrradweg entlang der Küste durchfährt man mehrere kleine Badeorte mit teils ansehnlich restaurierten Dorfkernen. Der typisch polnische Kommerzklamauk machte die Aussichten für meinen Geschmack aber immer wieder zu Nichte.

Ramschbude an der polnischen Ostseeküste
Ramschbuden gibt es in Polen leider überall

Das Sol- und Kurbad lebt heute vom Tourismus und dem Fischerei- sowie Fährhafen. Im Sommer verkehrt täglich ein Schiff auf die Insel Bornholm in Dänemark. Die Stadt wurde 1945 von den Nationalsozialisten bis zum Tod verteidigt und dementsprechend von sowjetischen Truppen dem Erdboden gleichgemacht. Bekannt als Festung Kolberg wäre sie heute wohl eine Perle an der Küste.

Nichtsdestotrotz gab es doch einige erfolgreiche Anstrengungen, die Altstadt samt Rathaus teilweise wiederherzustellen und den wehrhaften Leuchtturm mit seiner Bastion in Schuss zu setzen. Vor allem von Letzterem hat man einen schönen Blick auf die Stadt und Umgebung. So auch auf einige instandgesetzte Segelschiffe, welche Touristen für ein paar Zloty auf die Ostsee schippern und wieder zurückkehren – für Familien sicherlich ganz spaßig.

Auffällig ist im Vergleich zu Mielno der hohe Anteil deutscher Senioren. In den letzten zwanzig Jahren wurden viele moderne Kurhotels errichtet und erfreuen sich großer Beliebtheit bei Deutschen und Skandinaviern – Grüße an meine Oma an dieser Stelle). Die Übernachtungen sind hier entsprechend teurer – auch das Eis!

Tagesausflug zu den Leba Wanderdünen

Zugegebenermaßen war das ein wirklich langer und intensiver Ausflug, der sich jedoch trotzdem allemal gelohnt hat. Die Wanderdünen von Leba im Slowinzischen Nationalpark sind bis zu 42 Meter hoch und bilden eine wüstenähnliche Landschaft. Mit den Rädern konnten wir intermodal mit dem Zug an- und abreisen und dadurch sowohl die hohen Dünen als auch den riesigen, fantastisch leeren Strand genießen. Mehr dazu lest ihr aber im dazugehörigen Beitrag.

Neben der Natur schwärmen wir bis heute noch von dem fantastischen Fischrestaurant in Leba, in dem wir Abendbrot gegessen haben. Grundsätzlich kann man an der polnischen Ostsee sehr leckeren, frischen sowie recht günstigen Fisch essen. Weitere polnische „Klassiker“ (Piroggen etc.) lassen sich immer finden. Wer aber auf der Suche nach moderner, leichter, vegetarischer oder gar veganer Kost ist, wird es schwer haben.

Leba Wanderdünen an der polnischen Ostseeküste
Die Leba Wanderdünen an der polnischen Ostseeküste

Ostseeurlaub Polen: Was kostet eine Woche?

Polen ist mit Sicherheit noch immer um einiges günstiger als Deutschland, aber die Ostseepreise in der Hochsaison gleichen sich so langsam an. Der größte Ausgabenpunkt ist natürlich die Unterkunft. Ähnlich wie in Deutschland gibt es eine große Spannweite, die jedoch weiter unten beginnt. Wer sein Apartment ohnehin selten aufsucht und wenig ausgeben möchte, wird also bereits bei 7 Übernachtungen im Bereich von 400 EUR fündig – und das auch recht spontan. Desto weiter man von der deutschen Grenze entfernt bucht, desto billiger wird es – bzw. steigen die Preise Richtung Danzig wieder.

Ostseeurlaub Polen: Strandpromenade in Mielno
Strandpromenade in Mielno

Unsere Ausgaben für 8 Tage:

  • Baumhaus mit 7 Übernachtungen inkl. Frühstück: 650 EUR
  • Züge mit Fahrradtransport: 96 EUR
  • Leba Wanderdünen Ausflug (Zugfahrt + Eintritt NP): 25 EUR
  • Restaurantbesuche, Supermarkt, Getränke etc.: 220 EUR

Es ist also ein rundum erschwinglicher Urlaub mit ca. 500 EUR pro Nase geworden. Am stärksten wirken sich die vergleichsweise geringeren Preise und die schwache polnische Währung Złoty bei den täglichen Einkäufen und (leckeren) Restaurantbesuchen aus.

Furchtbar bis wunderschön: Fazit zum Urlaub an der polnischen Ostsee

Schlussendlich empfand ich den Urlaub als erholsam und eindrucksvoll (alle Bilder in einer Galerieansicht findest du hier). Es war richtig, nicht so weit zu fahren (Albanien), aber gleichzeitig hielten sich in Polen leider nur wenige an Corona-Regeln. Die polnische Ostsee besucht man nicht alle Tage und lernt eben dazu. Der Strand war sowieso wunderschön. Für den nächsten Ostseeurlaub nehme ich mir jedoch vor, bei der Wahl des Ortes genauer hinzuschauen, um nicht wieder am polnischen Malle zu landen. Das ist nun mal der Preis für eine spontane Entscheidung.

Kategorie furchtbar

  • Mielno entpuppte sich als Partyort für Polens Jugend: Trinken (in Polen in der Öffentlichkeit eigentlich verboten), Feiern und Posen mit dicken Autos genügen hier als Stichworte.
  • Polnische Ostseebäder zeichnen sich durch viel Kommerz aus: Es gibt in den Dorf- und Stadtzentren sowie an den Promenaden Spielbuden und Billigbuden.
  • Wer mehr als Piroggen oder Fisch essen möchte, muss auf die Suche gehen.
  • Das Einhalten von Corona-Regeln durch die meisten Urlauber bekommt die Note ungenügend.

Kategorie wunderschön

  • Die polnische Ostseeküste lässt sich gut mit Rad und Bahn kombiniert erkunden.
  • Polen hat viel europäisches Geld in eine Radinfrastruktur investiert. Der Euro-Velo 10 verläuft entlang der gesamten Küste.
  • Die Leba-Wanderdünen und die Hafenstadt Kolberg sind lohnenswerte Ausflugsziele.
  • An jedem Küstenabschnitt finden sich menschenleere Strände – perfekt für eindrucksvolle Sonnenuntergänge.
  • Hervorragendes Eis (lody) gibt es an jeder Ecke: Ich empfehle vor allem das Gedrehte (świderki/lody krecone), denn es ist fester und kälter als unser bekanntes Softeis (lody wloskie).
  • Frischer Fisch vom Kutter schmeckt einfach immer.
  • Der Ostseeurlaub kann in Polen bei vergleichbaren Annehmlichkeiten schätzungsweise 30% günstiger gestaltet werden als in Deutschland.
Na Zdrowie! Ostseeurlaub in Polen
Ostseeurlaub in Polen? Worauf wartet ihr noch!