Die Leba Wanderdünen: 100% Ostsee-Feeling

Die Leba Wanderdünen: 100% Ostsee-Feeling

Kennst du diese spaßige Werbe-Kampagne der Deutschen Bahn „Spar dir den Flug?“. Darin vergleicht die Deutsche Bahn Fotos berühmter Naturspektakel auf der Welt mit deutschen Pendants (Horizont-Artikel). Wenn du dir einen Flug in die Sahara sparen willst, fährst du einfach an die pommersche Ostseeküste zu den Leba Wanderdünen in Polen (Łeba auf polnisch, das Ł spricht man als weiches W aus).

Bis zu 42 Meter hoch erstrecken sich im Slowinzischen Nationalpark die Wanderdünen, die größte unter ihnen nennt sich Lontzkedüne (Wydma Łącka). Da sie sich bis zu 12 Meter pro Jahr nach Osten bewegt, kommt ihr Name nicht von ungefähr: Die Ortschaft Lontzke (Łącka) wurde bereits verschluckt. Geschehen konnte dies durch Winde, die auf unserer Nordhalbkugel primär aus Westen kommen. Die losen Sandkörner werden den Hang hinauf geblasen und fallen auf der windabgewandten Seite hinunter. So bewegen sich die Dünen immer weiter gen Osten.

Eine Familie genießt den Sommer auf den Leba Wanderdünen
Eine Familie genießt den sonnigen Tag auf den Leba Wanderdünen während im Hintergrund der Lebasee in der Sonne glitzert

Eine Zusammenfassung für ganz Eilige

  • Leba ist ein kleiner Badeort 100km nordwestlich von Danzig
  • Berühmt ist der Ort für die bis zu 42m hohen Dünen
  • Zu den Leba Wanderdünen reist du am besten mit dem Fahrrad an
  • Besonders lohnenswert ist auch der breite und menschenleere Strand

Leba – eine kurze geografische Einordnung

Leba ist ein kleiner Badeort in der Woiwodschaft („Bundesland“) Pommern (Pomorskie) mit nicht einmal mehr 4.000 Einwohnern. Die nächstgrößere Stadt Lębork (ehemals Lauenburg in Pommern) mit 37.000 Einwohnern ist 30 Kilometer entfernt, Danzig (Gdańsk) 100 Kilometer. Über Danzig gibt es auch eine direkte Intercity-Verbindung in die Kleinstadt. Dass dieser eine solch wichtige Verbindung hat, ist dem Slowinzischen Nationalpark und der Dünenlandschaft geschuldet.

Der Ort selber bietet überraschenderweise einen intakten Stadtkern. Viele Häuser sind erhalten bzw. restauriert und die Straßen laden zum Bummeln ein. Der direkte Strandabschnitt ist nicht besonders empfehlenswert, aber der Yachthafen und die Mole sind einen Blick wert.

Dünenwanderung in den Wald hinein
Die Dünen fressen sich sich immer weiter nach Osten und begraben den Wald unter sich

Mein Besuch in den Leba Wanderdünen

Anreise

Die wenigsten werden vermutlich in Leba selbst das Ostsee-Lager aufgeschlagen haben. Falls du also fest an einem Ort bist, verzag nicht! Ich bin mit meiner Partnerin und unseren Rädern aus dem weit entfernten Ort Mielno (Großmöllen) angereist. Zugegeben, es war ein langer Tag, der um acht begann und gegen Mitternacht endete, aber er war wunderschön!

In Mielno weiter südwestlich haben wir eine ganze Woche verbracht: In der Galerie findest du Eindrücke der Reise.

Zuerst haben wir uns mit dem Rad nach Koszalin (Köslin) zum Bahnhof aufgemacht, sind von dort nach Lębork und wiederum mit dem Rad nach Leba. Abends sind wir hingegen mit einem Zug aus Leba direkt nach Koszalin und mit dem Rad zurück nach Mielno. Seid also kreativ, um aus Kolberg, Mielno, Danzig und all diesen Orten nach Leba anzureisen. Und eine einzelne Übernachtung wird nun auch nicht besonders schaden.

Zugverbindungen an der polnischen Ostseeküste
Schienenwege an der polnischen Ostseeküste: Die Leba Wanderdünen liegen im Nordosten. Kartenmaterial: openrailwaymap.org

Slowinzischer Nationalpark

Um zu den Leba Wanderdünen im Slowinzischen Nationalpark zu gelangen, muss man vom Ort aus rund acht Kilometer hinter sich bringen. Und ich rate wirklich jedem dazu, diese nicht zu laufen. Es sind zu polnischen Sommerferienzeiten wirklich sehr viele Menschen – durch den zugegebenermaßen schönen Wald – unterwegs und die Strecke ist ermüdend. Es gibt am Ortsausgang genügend Fahrradverleihe und gleich liest du auch, warum es sich lohnt, deine Kräfte zu sparen. Wer in der Mobilität eingeschränkt ist, nutzt die Dienstleistungen der elektrischen Caddies.

Fahrradweg zum Slowinzischen Nationalpark
Auf dem Fahrradweg zum Eingang des Slowinzischen Nationalparks

Nach zwei Kilometern kommst du zum Eingang des Slowinzischen Nationalparks, der dich nur wenige Zloty ärmer macht. Angekommen an den Dünen, stapfst du in einem weit abgezäunten Areal durch das Hauptgebiet der Wanderdüne. Von oben hast du dann einen herrlichen Blick auf Ostsee und Lebasee zugleich. Achte auf die toten Bäume Richtung Lebasee. Sie sterben ab, weil der Sand sie unter sich begräbt wie einst den Ort Lontzke (Łącka) – daher schließlich der Name Lontzkedüne (Wydma Łącka).

Leba Wanderdüne
Blicke auf die polnische Sahara

An diesem Punkt ist für die meisten Leute Schluss. Schließlich haben sie mit dem Rückweg über 16 Kilometer auf dem Zähler. Da du aber das Fahrrad genommen hast, bleibt dir genügend Kraft und Zeit, um weiter an den Strand zu ziehen. Dieser ist wirklich unfassbar lang, breit und nach nur wenigen hundert Metern menschenleer. Freunde der Freikörperkultur kommen somit auch in Polen auf ihre Kosten. Wir blieben wirklich lange am Strand und genossen die Ruhe, die wir in Mielno etwas vermissten.

Leider konnten wir selber nicht früh anreisen oder lang genug bleiben. Mit Sicherheit lohnt es sich für Hobbyfotografen die goldene oder blaue Stunde des Tages für besondere Aufnahmen abzuwarten. Dann übernachtet man eben doch für eine Nacht in Leba.

Feiner Sandstrand hinter den berühmten Leba Wanderdünen
Der Strand hinter den berühmten Leba Wanderdünen lädt zum Verweilen ein, denn auch im Hochsommer verirren sich nur wenige hierher

Auf dem Rückweg blieb uns trotzdem noch genug Zeit für einen Abstecher in die kleine Stadt. Unfassbar gut gegessen haben wir Ausgehungerten nach einem langen Tag im U Dettlaffa. Feiner Fisch für faire Preise! So erreichten wir auch mehr als pünktlich unseren Nachtzug von Leba nach Koszalin, der weiter über Stettin sogar bis nach Krakau fährt (was für eine Strecke!).

Bahnhof Leba
Abfahrt mit dem Zug von Leba nach Koszalin

Lohnt es sich, die Leba Wanderdünen zu besuchen?

Um ehrlich zu sein, haben wir einen ganz schönen Aufwand betrieben. Die Webseite der polnischen Bahn spuckte am Ende aber die für uns richtigen Fahrten aus. Vorteil für uns, dass wir unsere Räder aus Berlin mitgenommen haben! Mit Sicherheit gibt es von Danzig aus auch geführte Tagestouren, aber das wäre nicht wirklich nach meinem Geschmack.

Lohnenswert empfände ich die Reise allemal, wenn man sich auch eine Übernachtung gönnt. Die Dünen sind eine schöne Abwechslung an der Ostsee und bieten viel Potential für schöne Erinnerungen – nicht zuletzt auch des riesigen und leeren Strandes wegen.

Strandpanorama im Slowinzischen Nationalpark
Strand soweit das Auge reicht

Gibt es noch andere Wanderdünen in Europa, deren Besuch sich lohnt?

Natürlich möchte ich nicht verschweigen, dass es einige berühmte Brüder und Schwestern gibt. Die berühmteste unter ihnen findest du in Frankreich mit der Dune du Pilat bei Bordeaux. Sie ist aufgrund ihrer Größe und Höhe in Europa unerreicht – und dementsprechend auch touristisch ausgebeutet. Sehr viel spannender wird es da in Dänemark und an der litauischen Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad.

Rubjerg Knude und ein Leuchtturm auf Rädern

Wirklich schräg wird es im kleinen Dänemark zwischen den kleinen Fischerorten Lønstrup und Løkken unweit des norddänischen Fährhafens Hirtshals. Hier hat sich durch eiszeitliche Sandablagerung eine Steilküste gebildet, die aufgrund des stetigen Wind vom Meer abgetragen wird – und eben Wanderdünen bildet. Die Rubjerg Knude Wanderdüne ist mit 70 Metern der höchste Punkt. Fun Fact: Nur die ersten 25 Meter sind Sand, darunter liegt die Steilküste.

Warum ich diese Düne erwähne, liegt an folgender Geschichte: Im Jahre 1900 dachte man sich im hohen Norden: Hey, guter Standort für einen Leuchtturm! Und das war er auch bis vor wenigen Jahren, als das Meer nur noch bedrohliche acht Meter von ihm entfernt war. 2019 packte man den schönen Leuchtturm auf ein paar Schienen und verfrachtete ihn dutzende Meter landeinwärts. Gerettet! Einen Abstecher wert? Bestimmt!

Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr auf einer Wanderdüne in Dänemark
Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr in Dänemark, Bild: Ansgar Koreng

Parnidisdüne in Litauen

Die Verschiebung politischer Grenzen hat schon so manche Naturräume in Europa zerschnitten. Ganz besonders auffällig ist das im Nordosten Europas, besser gesagt zwischen Litauen und Russland. Am 2. August 1945 wird auf der Potsdamer Konferenz beschlossen, dass fortan das nördliche Ostpreußen zur Sowjetunion zugehörig ist. Dann kommt die Wende, alles fällt in sich zusammen und das ehemalige nördliche Ostpreußen wird zur russischen Exklave.

Was damit einhergeht ist die Teilung der Kurischen Nehrung – ein 100km langer sowie zwischen 4000 bis 400 Meter breiter Streifen Land zwischen Kurischem Haff und Ostsee. Als EU-Bürger kann man von Norden kommend in den litauischen Nationalpark Kurische Nehrung und von einer Aussichtsplattform einen grandiosen Blick über dieses Naturspektakel genießen. Diese befindet sich auf der Parnidis-Düne (Parnidžio kopa), dem höchsten Punkt und hat seinen Namen ebenso von einem bereits verschluckten Dorf. Neben der dänischen Düne aufgrund ihrer Historie wäre die Parnidis-Düne mein Favorit für den nächsten Strandbesuch!

Litauische Wanderdüne Parnidis auf der Kurischen Nehrung
Die litauische Parnidis-Düne (Parnidžio kopa) auf der Kurischen Nehrung vom Wasser aus gesehen, Nationalpark Kurische Nehrung, Bild: Julian Nyča