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Winterabenteuer in der Ukraine

Wie soll man dieses Winterabenteuer in der Ukraine nur zusammenfassen? Wir bestiegen den höchsten Berg der Ukraine (Hoverla), schlenderten durch ein verschneites Tschernobyl, genossen deftige georgische Küche, eine große Silvesterparty in Lviv und erlebten ein spannendes Kiew. Es waren einfach acht Tage Abenteuer im Osten.


Die Ukraine ist mitnichten der touristische Hotspot für Deutsche im Winter. Wer allerdings das Abenteuer sucht und über seinen Schatten springt, wird hier mehr als fündig. Nachdem ich bereits im Sommer 2017 die Ukraine für mich entdeckte, sollte ich nun das Jahr 2019 dort beginnen. Aber wie zum Teufel kommt man trotzdem auf die Idee, die Ukraine im Winter zu bereisen? Nun ja, sie war irgendwo auch Mittel zum Zweck. Sorry!

Im Herbst 2018 gründete ich diesen Blog und nahm mir vor, Sibirien und Südkorea im Winter 2018/2019 zu entdecken. Aber wie beginne ich diese Reise? Um zuerst nach Russland zu gelangen, sollte es nicht durch Weißrussland gehen. Es gibt zwar einen Trick, wie man Weißrussland ohne Visum bereist, aber dieser funktionierte für mich nicht. Also überzeugte ich zwei Freunde davon, gemeinsam für acht Tage über Neujahr die Ukraine unsicher zu machen, um dann alleine weiter zu fahren.

Was wir erlebt haben, erzähle ich in dieser Reisegeschichte ausführlich. Ich hoffe ich kann dich dafür begeistern, dieses Land für ein Winterabenteuer in Erwägung zu ziehen. Du wirst es nicht bereuen!

Karte unseres Winterabenteuers Ukraine
Karte unseres Winterabenteuers Ukraine: Aus Berlin kommend steigen wir im ostpolnischen Przemyśl um und fahren weiter nach Lviv (gestrichelte Linie). Wir steigen in einen Mietwagen (schwarze Linie) und übernachten in Ivano-Frankivsk. Das Dorf Vorokhta ist unsere Basis für die Besteigung des Hoverla. Zurück in Lviv feiern wir in das neue Jahr hinein und steigen in den Zug nach Kiew. Am Ende unseres Abenteuers fahren wir noch mit einem Touranbieter nach Tschernobyl, welches nördlich von Kiew liegt.

Unser Winterabenteuer in der Ukraine

Mit dem Zug in die Ukraine

Kleine Schwaden bilden sich vor unseren Gesichtern, wenn wir ausatmen. Es ist ein kühler Dezemberabend am Berliner Ostbahnhof. Es ist ziemlich ruhig in Berlin in der Weihnachtszeit, wenn viele Zugezogene ihre Heimat aufsuchen. Die Uhr zeigt 18 Uhr an, da erklingt der berühmte Ton der Deutschen Bahn und kündigt den Euronight nach Wien, Budapest und Przemyśl („Pschemyschl“) an. Wir suchen das richtige Drittel dieses dreiteiligen Zuges und entern unser Abteil. Der Zug setzt mit einem Ruck gen Osten an.

Nachts, irgendwo in Polen
Zwischenhalt in der Nacht irgendwo in Polen. Die Züge werden hier getrennt.

Im Stil der Neunziger Jahre und eben etwas in die Jahre gekommen zuckelt unser Waggon durch die stille, schwarze Nacht. Klack klack, klack klack. Dumpf klingt es monoton zu uns herauf ins Abteil, wenn die Räder unter uns die Schienenstöße überfahren. Wir sitzen im Sechster-Abteil, trinken noch ein paar Bier. Besonders bequem ist es nicht. Der Schlafwagen war mit 80€ doppelt so teuer – keine Option für uns. Wir versuchen zu schlafen, quälen uns auf den immer härter werdenden Sitzen. Der Zug hält im Nirgendwo und wird entkoppelt. Budapest und Wien nehmen vor hier an eine andere Route. Wir fahren weiter gen Osten.

Am östlichen Ende Polens, in Przemyśl, kommt unser Zug um halb neun Uhr früh im Karpatenvorland zum Stehen. Unsere stocksteifen Rücken plagen uns. Erst am Nachmittag setzt sich unser Grenzzug nach Kiew über Lviv in Gang, also erklimmen wir den Schloßberg und versuchen, den grauen Morgen am Ostrand der EU zu genießen.

Wir kehren zurück ans Gleis, nur diesmal an ein besonderes. Zwei von hohen Zäunen umgebene Bahnsteige umgeben wiederum ein einzelnes Bahngleis. Es ist das Tor, das uns aus der EU und dem Schengen-Gebiet herausführt – hinein in die Ukraine. Etwas unpünktlich rollt ein moderner Zug aus Kiew ein und spuckt eine Menge Passagiere auf der gegenüberliegenden Bahnsteigseite aus. Der Zug wird durchsucht, ehe die rechte Tür geschlossen und unsere linke Seite geöffnet wird.

Die Grenze passieren wir sorgenlos mit den ersten kyrillischen Stempeln im Reisepass. Die Grenzer sind wie überall mufflig, griesgrämig und schlecht gelaunt. Das Reisepublikum ist bunt – so bunt wie es in homogenen Gesellschaften östlich der Oder eben ist (Achtung, Sarkasmus). Es ist bereits dunkel, als wir in Lviv (Lemberg) eintrudeln.

Mit wenig Zeit für die Bewunderung des Hauptbahnhofs, ziehen wir uns am Geldautomaten ukrainische Hryvnias und schmeißen einen Teil dieser in ein Taxi. Erschöpft von den letzten 24 Stunden nehmen wir Platz auf der Fahrt zum Flughafen, wo ein vorbestellter Leihwagen auf uns wartet. Gerade noch pünktlich vor Ladenschluss erreichen wir die international bekannte Mietwagenfirma am Terminal. Schneeweiß wartet der Wagen mit Vorderradantrieb und ohne Schneeketten auf uns. Super gemacht, Gregor!

Zwei Stunden dauert die letzte Fahrt des Tages. Die Nerven liegen so langsam blank, doch das Unbekannte fesselt uns. So erreichen wir die Stadt Ivano-Frankivsk – das Tor zur Karpatenukraine – in gefühlt Nullkommanichts. Den Abend lassen wir bei einem festlichen Abendmahl mit verdient deftigem Braten ausklingen, ehe wir die ebenso mehr als verdienten Betten aufsuchen.

Schneeweiße Karpatenukraine

Der Morgen beginnt im Outdoorladen Gorgany, in welchem ich vorab – cheers to Google Translate – Schneeschuhe und Stöcke reserviert habe. Um den höchsten Berg der Ukraine, den Hoverla (2.061m), zu besteigen, benötigen wir schon etwas Ausrüstung. Mitsamt einer Geländekarte des Nationalparks Karpaten verlassen wir den Laden und lassen die Stadt hinter uns. Es wird deutlich ländlicher und es gilt nun Traktoren sowie Pferdegespanne zu überholen, während wir uns gebannt den schneeweißen Gipfeln der Karpaten nähern.

Die Motivation und Aufregung steigt minütlich. Wir sind nicht besonders früh losgekommen und so steht unser Plan, den Hoverla bereits heute zu besteigen, auf der Kippe. Nach zwei Stunden durchqueren wir unser Aufenthaltsdorf Vorokhta, doch wir fahren geradewegs hindurch weiter zur Berghütte Zaroslyak. Natürlich haben wir keine Schneeketten dabei und rasen so in spannender Fahrt die verschneite Piste hinauf. Nach mehreren waghalsigen Kurven stehen wir auf 1300m ü. NN, ohne im dunklen Wald verschwunden zu sein. Die große Hütte bietet einigen wenigen Fahrzeugen Platz.

Es ist nun bereits nach 12 Uhr. Voll ausgerüstet nehmen wir die ersten der 800 Höhenmeter zum Gipfel. Ganz leise umhüllt uns dabei zunächst der schneereiche Winterwald. Nur unser eigenes Stapfen und Schnaufen durchschneidet die absolute Stille. Spuren zeigen uns den Weg durch die Winterlandschaft der Karpatenukraine. Wir verlassen nach den ersten Anstrengungen den Wald und folgen weiterhin den Spuren, die sich jedoch nun mehrfach verzweigen. Es ist unsere zweite gemeinsame richtige Wintertour und wieder zeigt sich, wie schwer es ist, sich im Winter im Gelände zu orientieren.

Das Wetter ist grau und wolkig, die Spuren vermehren sich exponentiell. Ein starker Wind zieht auf und zerrt an unseren immer noch müden Körpern. Wir erreichen die steile Flanke des Hoverla, aber sind uns uneinig über den Weg. Wir sehen ihn schlicht nicht. Sollen wir umdrehen? Sollen wir es weiter versuchen? Die Zeit tickt, denn die Sonne geht früh unter. Wir entscheiden uns für das einzig Richtige: Umkehren.

Winterlandschaft in der Karpatenukraine
Die Bedingungen für die Besteigung des Hoverla sind zu schlecht. Wir treten den Rückzug an, nachdem uns der Winter um die Ohren flog und die Sicherheit nicht mehr gegeben war.

Bitterkalter Hoverla

In der klirrenden Morgenkälte auf dem Balkon stehend, beobachte ich, wie sich ein Intercity aus Kiew langsam über eine lange, steinerne Brücke zieht. Das Dorf Vorokhta liegt im Halbdunkel und erwacht nur mühsam zum Leben. Wir verlassen ausgeschlafen und erholt unsere warme Holzhütte und versuchen somit am 30. Dezember erneut den Aufstieg. Wieder kurven wir hoch zur Zaroslyak und stellen voller Freude fest, dass die Bedingungen heute besser sind. Es geht nun schneller voran und einige wenige Gipfelstürmer begleiten uns dabei.

Je höher wir kommen, desto unerbittlicher schießt der Wind über die blanke und breite Kuppe des Hoverla. Etwas demotiviert setzen wir einen Fuß vor den anderen, bis sich die Kuppe doch endlich abflacht. Der Gipfel ist in eine schwere, dichte Wolke eingehüllt und schenkt der Sonne keinen Zentimeter.

Nach drei Stunden in unseren Schneeschuhen schlagen wir mit der Hand an das Gipfelkreuz. Erster Etappensieg bei -12°C des Winterabenteuers Ukraine! Das Gipfelbild lässt sich nur unter schmerzenden Händen schießen. Jetzt gilt es, dass wir den Berg heil hinunterkommen, uns in der Berghütte Zaroslyak eine deftige erste Mahlzeit zu gönnen und zurück im Dorf auf den Erfolg anzustoßen! Die Erinnerungen an die Gänge in die hauseigene Holzsauna sind nur noch vage.

Tanz ins Neujahr in Lviv

Es läuft nicht immer alles rund auf solch einer Reise. Der Hunger plagt unsere Gruppe nach einer feuchtfröhlichen Nacht, kurzem Frühstück und vierstündiger Autofahrt. Eng getaktet verließen wir die Hütte, brachten die Ausrüstung nach Ivano-Frankivsk und wiederum das Auto zum Flughafen-Terminal. Jetzt muss nur noch das Hostel gesucht werden.

Am 31. Dezember 2019 um 18 Uhr, Silvesterabend, schlendern wir durch die Altstadt Lvivs. Die Straßen sind gut gefüllt, doch kein Restaurant bietet uns mehr etwas zu essen an. Der Hungerast nagt förmlich an der Gruppendynamik und erst nach ewiger Suche finden wir schlussendlich etwas Essbares. Wir wappnen uns für eine lange Nacht.

Weihnachtsmarkt im Zentrum Lvivs
Auf dem Weihnachtsmarkt im Zentrum Lvivs ist dank anderer Zeitrechnung der orthodoxen Kirche noch alles offen. Hier wird Weihnachten am 6. und 7. Januar gefeiert.
Solomiya Krushelnytska Lviv State Academic Theatre of Opera and Ballet
Solomiya Krushelnytska Lviv State Academic Theatre of Opera and Ballet als Silvesterkulisse in Lviv

Wo heute gefeiert wird, ist schnell klar: Vor der Lviver Nationaloper inmitten der Altstadt ist eine große Anlage aufgebaut. Wir stoßen zu der Meute hinzu und lassen uns von der guten Laune anstecken. Zu den Klassikern der letzten Jahrzehnte tanzen wir gemeinsam mit tausenden jungen Erwachsenen bis Mitternacht. Mit großer Spannung wird die Stunde Null von allen erwartet, doch wie schon in Bukarest zwei Jahre zuvor bleibt das erwartete Feuerwerk aus. Nur sehr wenige Feuerwerkskörper erhellen den Himmel und die Meute vor der Oper interessiert das gelinde gesagt wenig.


Nach nur zwei Stunden „Schlaf“ müssen wir uns aus den Betten unseres Hostels erheben. Wir lernten in der vergangenen Nacht eine Gruppe junger Ukrainer*innen kennen, denen wir uns für den Rest der Nacht anschlossen. Trinkfest zogen wir um die Häuser und kehrten mehrmals ein. Mit schweren Köpfen verabschieden wir uns somit aus dem Hostel und schlagen bis 18 Uhr die Zeit tot. Unser Zug nach Kiew rollt ein.

Eine Straßenbahn fährt durch die Innenstadt Lvivs
Eine Straßenbahn fährt durch die Innenstadt Lvivs. Die altrussische, polnische, österreichische, wieder polnische, Nazi-deutsche, sowjetische und nun ukrainische Stadt hat eine bewegte Geschichte.

Winterliches Kiew

Auch in Kiew beziehen wir im Zentrum ein Hostelzimmer. Die Stadt überzeugt mich bei meinem zweiten Besuch wieder einmal. Meine Mitreisenden sind ebenso angetan von der grandiosen Architektur der Stadt. Es gibt viel zu entdecken und so verbringen wir die Tage an vielen wichtigen Orten der Stadt.

Besonders eindrucksvoll ist die freie Ausstellung auf dem Maidan. Es lässt sich kaum in Worte fassen, was hier zwischen 2013 und 2014 geschehen sein muss. Ich erinnere mich noch an WG-Abende in Dresden vor dem Fernseher, als man ungläubig auf die Feuer und Explosionen im Zentrum Kiews schaute. Heute arbeiten Schautafeln die Geschehnisse für Besucher*innen bildgewaltig auf. Beeindruckt stehen wir an einem kalten Januarabend in Kiew und versuchen nachzuvollziehen, was an diesem Ort vor nur fünf Jahren geschah.

Auch so lässt sich Kiew an allen Ecken entspannt entdecken. Die orthodoxen Kirchen, verschneiten Parks und günstigen Preise tun ihr Übriges dazu. Etwas vom Stadtkern entfernt finden wir zudem eine Boulderhalle, die ein wenig Abwechslung reinbringt. Man kann ja doch nicht jeden Tag nur Kirchen und Museen anschauen. Ich bin froh, dass meine Mitreisenden das ähnlich sehen und die Entscheidung, in die Ukraine zu fahren, goldrichtig war. Ein Highlight wartet jedoch noch auf uns.

Verstrahlt, verseucht, verklärt: Tschernobyl

Unser Winterabenteuer Ukraine hatte von Anfang an ein Ziel, welches unter die Kategorie „Dark tourism“ fällt: Tschernobyl. Kein anderer Ort auf dem europäischem Kontinent fällt stärker in diese Kategorie, als die 1986 radioaktiv kontaminierte Grenzregion der Ukraine und Weißrusslands.

Es gibt heutzutage einige ukrainische Anbieter geführter Tages- bis Mehrtagesausflüge. Unseren eigenen Tagesausflug nach Tschernobyl behandle ich noch einmal in einem gesondert Post. Eines sei jedenfalls gesagt: Es lohnt sich! Doch du kannst eine Tour nach Tschernobyl nicht einfach einen Tag zuvor buchen, denn es braucht dafür eine Genehmigung. Mehr dazu findest du im Tschernobyl-Artikel.

Sarkophag über dem geschmolzenen Reaktor in Tschernobyl
Der im Sommer 2019 fertiggestellte „Sarkophag“ über dem geschmolzenen Reaktor in Tschernobyl ermöglichte es uns, dass wir relativ bedenkenlos 10 Minuten davorstanden. 24.860 Tonnen Gewicht halten nun die Strahlung weitestgehend im Innern.

Reisen in der Ukraine

Kyrillische Buchstabenschrift

Die Ukraine zu bereisen ist wohl genauso einfach wie jedes andere Land in Europa zu bereisen; mit Ausnahme der kyrillischen Buchstabenschrift. Ja, sie mag dich verschrecken, falls du dich noch nie mit ihr beschäftigt hast. Im Vergleich zu arabisch oder chinesisch kann man sie sich jedoch wirklich einfach erarbeiten. Ich behaupte, dir genügen wenige Übungsstunden. Diese super einfache Seite der Universität Innsbruck wird dir weiterhelfen.

Warum hilft dir das? Nun ja, du kannst Busstationen entziffern, sowie Apotheken, Restaurants, Bahnhöfe und große Schilder erkennen. Ehrlich gesagt macht es sogar richtig Spaß, den eigenen Lernerfolg zu beobachten. Am Ende konnte ich während meines ersten Besuchs in Nord-Mazedonien und Bulgarien keinerlei kyrillisch lesen und bin trotzdem nicht verhungert. Also keine Scheu und los geht’s ins Winterabenteuer Ukraine!

українська (ukrainisch) ist gar nicht so schwer zu lesen, wenn man sich damit ein wenig beschäftigt. Der Lernerfolg des Kyrillischen stellt sich schnell ein und macht Spaß!

Züge und internationale Fähren

Die Ukraine lässt sich sehr einfach bereisen. Da die Ukraine doppelt so groß ist wie Deutschland, ist dieses Land prädestiniert für Zugverbindungen. Wer meine oben genannten Hinweise zur kyrillischen Buchstabenschrift beherzigt, wird es besonders leicht haben. Internationale Zugverbindungen in das Land hinein gibt es

  • aus Warschau und Krakau,
  • Wien und Bratislava sowie
  • aus Belgrad und Budapest.

Wir sind wie eingangs des Reiseberichts erwähnt, mit einem Nachtzug aus Berlin an die polnisch-ukrainische Grenze (Przemyśl) und dann weiter. Auf der fantastischen Seite von Night-trains.com findet man alle Nachtzüge Europas in der Übersicht, die mit Liegewagen ausgestattet sind – also keine Nacht-ICEs.

Um sich einen Überblick über die vielen ukrainischen Verbindungen zu erhalten, empfehle ich ganz klar die Open Street Map von Openrailwaymap. Dort kannst du auf die Ukraine zoomen und das weit verzweigte Netz studieren. Wenn du ganz tief hineinzoomst, findest du auch kleine Strecken dargestellt in einem grüngelben Ton. Für weiterführende Informationen würde ich noch die Seite Wikivoyage für die Ukraine empfehlen. Auf der englischsprachigen Seite der ukrainischen Bahn könnt ihr konkret nach eurer Verbindung schauen.

Spannend ist auch noch die Möglichkeit internationaler Fährverbindungen vom Schwarzmeerhafen Odessa. Details findest du auf dem tollen Blogbeitrag von Indie-Reisen. Fährverbindungen gibt es nach

  • Warna in Bulgarien,
  • Haydarpa, Istanbuls Großhafen,
  • Karasu und Zonguldak östlich von Istanbul
  • sowie Batumi und Pott in Georgien.

Übernachtungen

Hotels, Hostels, Ökolodges, Zeltplätze und viele weitere Möglichkeiten findest du in der Ukraine ohne Probleme. Dabei gibt es die volle Auswahlmöglichkeiten von alt und rustikal bis zu pompös luxuriös. Im ukrainischen Gebirge lohnt sich die Suche nach einer waschechten Holzhütte. Gebucht habe ich unsere im Dorf Vorokhta übrigens auf einer gängigen, internationalen Buchungsplattform. Dem Winterabenteuer steht also nichts mehr im Weg.

Während meiner ersten Reise durch das Land im Sommer 2017 konnte ich übrigens sehr erfolgreich Couchsurfen.

Ukrainische Küche

Die ukrainische Küche ist sehr deftig. Mach dich gefasst auf alle Arten von Kartoffeln, Fleisch, Früchten, Pilzen, Beeren und Kräutern. Natürlich gibt es vielerlei Suppen, eine Menge Knoblauch, die berühmte Borschtsch und Weiteres. Die Großstädte, allen voran Lviv und Kiew, bieten auch für die vegetarische und vegane Ernährung viel Abwechslung.

Nichts definiert unser „Winterabenteuer Ukraine“ jedoch mehr als der Georgier um die Ecke. Seit dem Fall der Sowjetunion sind beide Länder durch starke politischen Beziehungen und in fester Freundschaft miteinander verbunden. Anders erklärt sich mir nicht die Unmenge an fantastischen georgischen Restaurants in ganzen Land.

Die schmackhafte georgische Küche ist durch Ihre Lage im Kaukasus begründet, denn hier treffen asiatische und europäische Welten aufeinander. Die immer währenden Migrationen durch dieses Gebiet prägen die reichhaltige Küche und so ist Abwechslung während der Reise garantiert.

Abendessen in der Karpatenukraine
Deftiges Abendessen in der Karpatenukraine nach der Winterbesteigung des Hoverla. Einmal Gemüsesuppe, bitte!

Die Karpatenukraine erkunden

Noch einmal gesondert möchte ich den ukrainischen Anteil am Karpatenbogen anschneiden, denn diesen überaus lohnenswerten Teil weit im Südwesten der Ukraine sollte man nicht verpassen. Er befindet sich nämlich in einem Land, das sonst kaum über einen Hügel hinaus kommt (mit Ausnahme der annektierten Krim). Hier grenzen die EU-Staaten Polen, die Slowakei, Ungarn und Rumänien an die Ukraine. Es ist damit wohl auch ein bekanntes Schmugglergebiet, wie diese ZDF-Doku zeigt.

Die Bezeichnungen in diesem Teil der Welt sind übrigens wirklich verrückt. Ruthenien, Transkarpatien, Subkarpatien, Waldkarpaten, Unterkarpaten, nördliche Ostkarpaten, Karpatenrussland: Die Begriffsvielfalt stammt aus der überaus reichen Geschichte verschiedener Herrscher: Ungarn, Slowaken, Polen, Habsburger, Russen, Rumänen und Ukrainer. Die Begriffe sind ungenau voneinander abgegrenzt.

Hoverla und Chornohora

Viele Gebirgszüge durchziehen das Gebiet von Nordwest nach Südost. Tief im Süden, im Biosphärenreservat Karpaten (Link zu einer Agentur, ich finde nur die Texte aufschlussreich!) auf dem Tschornohora-Gebirgszug, befinden sich die höchsten Berge: Hoverla (2060m), Brebeneskul (2038 m), Pip Iwan (2022 m) und Petros (2020 m). Das Gebiet lässt sich gut erreichen, denn eine Zug schlängelt sich durch die Täler und hält in diversen Karpatendörfern, wie z.B. Vorokhta (siehe Bild weiter unten). Kaum einen Steinwurf davon entfernt befindet sich mit Bukovel übrigens das größte ukrainische Skigebiet!

Wer den Hoverla oder Pip Ivan im Winter ohne alpine Erfahrung besteigen möchte, nimmt sich am besten einen Führer. Auch wenn 2000 Metern auf manchen nicht besonders hoch wirken möchte: Unterschätze niemals einen Berg! Wenn du daran Interesse hast, kann ich dir jemanden empfehlen. Schreib mir einfach. Im Sommer (aka nicht April) steht einer Besteigung nichts im Weg, denn dann bist du einer von Tausenden. Der Berg ist den Ukrainern heilig.

Weitere Möglichkeiten

Abenteuertourismus wird in den ukrainischen Karpaten groß geschrieben und es gibt kaum etwas, dass man nicht buchen kann. Geländetouren mit fetten Jeeps durch reißende Flüsse, Motocross-Touren, Angelausflüge und vielerlei Langstreckenwanderungen sind nur ein Teil davon.

Wer sich etwas weiter vom Trubel entfernen möchte, wird in vielen Tälern und kleinen Dörfern fündig. Es locke viele Nationalparks, die ich euch auch noch ans Herz legen möchte: (von Süd nach Nord)

Übersichtskarte ukrainischen Karpaten
Übersichtskarte ukrainischen Karpaten: Die Linien (orange) zeigen Zugstrecken auf. Einzelne Pfeile (blau) zeigen Verbindungsrichtungen auf, ohne dass davon die Rede sein kann, hier führe direkt ein Zug nach Bukarest (dunkelgrau). Wichtige Orte werden in schwarz geschrieben. Nationalparks bzw. Gipfel werden in blau angegeben.

Fazit

„Winterabenteuer Ukraine“ war kein zufällig gewählter Titel, denn hier kann innerhalb Europas richtig was erlebt werden. Das Land ist überaus günstig zu bereisen, bietet das Schwarze Meer, schneebedeckte Gipfel in der Karpatenukraine sowie die imposanten Innenstädte Lvivs, Odessas und Kiews. Wer darüber hinaus den Thrill sucht, wird in der Chernobyl Exclusion Zone fündig. Also, worauf wartest du noch?

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