Nachhaltiger Tourismus: Den Tourismus verstehen

Nachhaltiger Tourismus: Den Tourismus verstehen

Wir reisen, also sind wir. So könnte man den modernen Tourismus im 21. Jahrhundert umschreiben. In allen Dimensionen führt der Tourismus seinen Siegeszug in Form unbegrenzten Wachstums fort – bis eine Pandemie kam und Grenzen aufzeigte. Inzwischen ist dank zugelassener Impfstoffe ein Ende in Sicht. Doch wird der Tourismus sich so weiterentwickeln wie bisher? Gibt es eine nachhaltige Wende?

Mit dem Adjektiv nachhaltig wird heutzutage geradezu um sich geworfen. Um dem nachhaltigen Tourismus auf die Schliche zu kommen, beleuchte ich in zwei Artikeln diesen inzwischen so großen Wirtschaftszweig einmal näher. So gewinnst du ein tieferes Verständnis davon, was nachhaltigen Tourismus ausmacht bzw. ausmachen sollte. Viel Spaß nun mit dem ersten Teil: Den Tourismus verstehen.

Einleitung für Eilige: Zahlen, Daten, Fakten

Der Tourismus ist ein weltweiter Dienstleistungssektor mit ca. 100 Millionen Beschäftigten, davon mehrheitlich Frauen. Gab es im Jahr 1950 ca. 25 Millionen grenzüberschreitende Einreisen waren es im Jahr 2017 über 1,3 Milliarden. Im Inlandstourismus geht man von 9 Milliarden Reisen aus.

Der Tourismus ist eine Querschnitts- und Dienstleistungsbranche und setzt sich aus der Hotellerie, Gastronomie, dem Verkehrssektor, Reiseunternehmen und vielen weiteren zusammen. Er hat kein klar umrissenes, einzelnes Produkt.

Tourism is defined as when people travel and stay in places outside of their usual environment for less than one consecutive year for leisure, business, health, or other reasons

UNWTO

Der Tourismus wächst schneller als die Weltwirtschaft und trug 2019 mit 10% zum weltweiten BIP bei. Innerhalb dieser touristischen Wertschöpfung entfällt die Hälfte auf die sieben Länder USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland und Österreich. Bei der Interpretation dieser Zahlen ist entscheidend, ob die Einnahmen aus dem Tourismus im Land verbleiben oder ins Ausland abfließen. Solche Gewinnabflüsse entstehen durch die Tätigkeiten von ausländischen Tourismusunternehmen. In vielen Ländern macht der Tourismus einen großen Anteil am BIP aus: auf den Malediven 52%, auf den Philippinen 25%, in Thailand 21% und in Österreich 15% (Daten von Statista).

Der Tourismus wirkt sowohl direkt (Ausgaben und Angestellte in der Gastronomie), indirekt (Bau eines Flughafens, Anbau von Lebensmitteln) als auch induziert (Ausgeben der gewonnenen Einnahmen). Dadurch wirkt er gleichzeitig auf das Klima, das einerseits seine Grundlage ist und das er andererseits mit verändert. Der Tourismus trägt laut Umweltbundesamt weltweit zu ca. 5% aller klimaschädlichen Emissionen bei. Flugreisen tragen zu 40% bei, gefolgt vom Autoverkehr mit 32% und den Unterkünften mit 21%.

Was ist Tourismus?

In den kommenden Absätzen schauen wir uns einmal die verschiedenen Aspekte des Tourismus an. Als Grundlage bietet sich die folgende Definition eines Wirtschaftslexikons an:

Tourismus umfasst die Gesamtheit aller Erscheinungen und Beziehungen, die mit dem Verlassen des üblichen Lebensmittelpunktes und dem Aufenthalt an einer anderen Destination verbunden sind. Dies führt zu einer Vielzahl von Reisearten und Akteuren im Tourismus. Ökonomische, ökologische interkulturelle und infrastrukturelle Ziele bilden den Kern in der Tourismuspolitik und im Wirken der Tourismusorganisationen. Die Tourismuswirtschaft zählt aufgrund ihrer positiven Einkommens-, Arbeitsplatz- und Deviseneffekte in vielen Regionen und Ländern zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Das Wachstum im Tourismus wird weltweit anhalten, jedoch destinationsabhängig sich zwischen Stagnation und Expansion bewegen.

Gabler Wirtschaftslexikon

Tourismus ist, wie in der Einleitung bereits erwähnt, eine Querschnittsbranche. Er besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Industrien. Im weitesten Sinne ist Tourismus also ein Konsumgut, das grundsätzlich erst einmal keine Notwendigkeit hat. Es geht ganz allein um die Befriedigung immaterieller Bedürfnisse. Reisen sind in allen Industrieländern und auch darüber hinaus für den Mittelstand zu einem selbstverständlichen Konsumgut geworden, das mittlerweile praktisch jedes Land und die entlegensten Winkel der Erde erfasst hat. Der Tourist kann auf einem Käufermarkt aus einem übergroßen Angebot wählen.

Das Zuhause verlassen

Ob wir ein Wochenende durch die Seenlandschaft paddeln, einen einwöchigen Urlaub verbringen oder uns auf eine Weltreise begeben: Wir verlassen unser Zuhause und suchen andere Orte auf. Das heißt wir bewegen uns mit einem Transportmittel wie den Füßen, dem Fahrrad, der Bahn, dem Bus, der Fähre, dem Kraftwagen und/oder dem Flugzeug fort.

Innerhalb des System Tourismus ist der Transport von zentraler Bedeutung – insbesondere aus energetischer und somit aus Umweltperspektive. Die An- und Rückreise sind energieintensiv. Laut einer Studie von Gössler und Peeters (2015) ist der Energieverbrauch einer Reise zu 75% auf die Nutzung von Verkehrsmitteln zurückzuführen – wobei natürlich große Unterschiede bestehen, wie ich zur Destination gelange und wie ich mich vor Ort bewege.

Reisearten im Tourismus

Die Erscheinungsformen im Tourismus lassen sich nach verschiedenen Mustern einteilen. Sehr nüchtern kann man zwischen grenzüberschreitendem Auslands– und Inlandstourismus unterscheiden. Letzterer umfasst Reisende, die innerhalb der eigenen Staatsgrenzen Urlaub machen.

Wir können auch noch Land– und Städtetourismus sowie See– und Bergtourismus unterscheiden. Auch die Saison (Hochsaison, Nebensaison), der Zeitpunkt (Wintertourismus) oder die Dauer (Tagesreise, Wochenendtourismus, Langzeitreise) kann den Tourismus definieren.

Die häufigste Tourismusart ist laut IPK World Travel Monitor 2015 der Strandtourismus mit 29%. Während 62% aller Europäer dieser Form nachgehen, sind es nur 4% bei den Chinesen.

Zu guter Letzt können wir nach gängigen Reisemotiven unterscheiden, wie den

  • Geschäfts- und Privatreisen sowie
  • Privat- oder Pauschalreisen.

Oder wir unterteilen die Reisemotive noch spezifischer, wie beispielsweise

  • Abenteuer-,
  • Bildungs-,
  • Erholungs-,
  • Event-,
  • Gesundheits-
  • und Pilgerreisen,

Es gibt noch viele weitere Spezialformen. Eine besondere ist die des Dark Tourism. Beispielhaft kannst du dir meinen Beitrag zum Besuch Tschernobyls anschauen. Dabei gehe ich auch auf die Besonderheiten des Dark Tourism ein.

Eine Destination aufsuchen

Jeder geografische Raum hat von sich aus naturgegebene und menschengemachte Merkmale. Das touristisch abgeleitete Angebot hat sich oft erst aus einer spezifischen Wirtschaftsentwicklung ergeben: im kleinen Tal der Alpen finden wir beispielsweise angelegte Wanderwege, Informationstafeln, Hütten und Ausrüstungsverleihe. Genauso könnte sich das Tal auf Luxushotels und Helikopterflüge zu den umliegenden Gipfeln spezialisieren. Die einzelnen Angebote und ihre Anbieter werden von uns als eine Einheit wahrgenommen und ergeben das Gesamtbild einer Destination.

Egal, ob es nur ein Ziel gibt oder wir einen Roadtrip machen: Wir betreten geografische Räume, die jeweils notwendige Einrichtungen zur Beherbergung, Verpflegung und Beschäftigung enthalten – im weitesten Sinne. Das kann genauso gut ein kleines Tal in den slowenischen Alpen sein wie ein riesiger, naturbelassener Nationalpark in Nordschweden oder die Mecklenburger Seenplatte.

Der Wirtschaftszweig Tourismus

Hohe Diversität von Akteuren

Kaum ein Wirtschaftszweig ist so kleinteilig wie der des Tourismus. Er ist geprägt durch eine unglaubliche Vielzahl an kleinen und mittelständischen Unternehmen: Die Spanne reicht von Pensionen, Fahrradverleihen, Museen, Reiseveranstaltern und selbstständigen Reisebegleitern bis hin zu Weltkonzernen in der Kreuzschifffahrt und internationalen Hotelketten. Somit ist es für diesen Wirtschaftszweig vergleichsweise schwierig, gemeinsame Interessen gegenüber der Politik zu vertreten, da sich die jeweiligen Interessen nicht zwangsweise überschneiden.

Der Diversität des Wirtschaftszweigs geschuldet gibt es neben den vielfältigen Einzelakteuren auch Vereinigungen von Privatunternehmen (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband, Luftfahrtverbände) oder Nichtregierungsorganisationen (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub, Tourism Watch). Jede „Nische“ kämpft dabei eher für sich selbst, was die Schlagkraft des Sektors mindert – es gibt nunmal nicht den einen Tourismus.

Im Ausgleich der einzelnen privatwirtschaftlichen Interessen arbeitet der öffentliche Sektor an einer Entwicklung „seiner“ Region: Gemeinden, Städte und Regionen geben mit Strategiepapieren Marschrichtungen vor, fördern Investitionen, vergeben Baugrund und erteilen auch Verbote. Sie übersetzen – soweit mein Verständnis von Politik – die Bedürfnisse von Unternehmen und Bewohner*innen der Region in Handlungen. Das heißt, auch die Bewohner*innen der Gemeinden und Städte, in denen Tourismus betrieben wird, sind politische Akteure. Darüber hinaus gibt es kommunale und landesweite Tourismusorganisationen. Manche Länder wie Indien haben eigenständige Tourismusministerien.

Viel und prekäre Beschäftigung im Tourismus

Gemeinhin ist der Tourismus in vielen Regionen unseres Planeten eine wichtige Beschäftigungsgrundlage. Er ist aber auch besonders oft prekär: Die Arbeit im Tourismus ist arbeitsintensiv, bietet oft nur saisonale Arbeit und vergleichsweise geringe Bezahlung. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) berichtet in einem Interview mit der TAZ zudem, dass im Tourismussektor besonders viele Arbeitsmigrant*innen tätig sind. Als billige Arbeitskräfte sind sie begehrt.

Mit weltweit rund 100 Millionen Beschäftigten ist der Tourismus einer der bedeutendsten Arbeitgeber. In Deutschland sind das „fast 3 Millionen Beschäftigte [und somit] 290 Milliarden Euro Umsatz und 3,9 Prozent Anteil an der Bruttowertschöpfung Deutschlands“, so der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft in einer Untersuchung aus dem Jahr 2017. Auf Inselstaaten im globalen Süden trägt die Tourismusbranche gerne zu 50% und mehr zur Beschäftigung bei. In Thailand sind es immerhin noch 16% (Statista).

Erfolgsgeschichte Tourismus?

Ein kurzer Werdegang des Tourismus

Prinzipiell ist der Tourismus eine einzige Erfolgsgeschichte. Bis Mitte des 19. Jahrhundert gab es Pilgerfahrten an heilige Orte für diejenigen, die es sich leisten konnten. Und das war eine durchaus langwierige Angelegenheit: Selbst Ende des 18. Jahrhunderts dauerte die Reise von Berlin nach Wien über 100 Stunden – in der Kutsche.

1841 organisierte der Brite Thomas Cook erstmals eine geführte Reise für viele hunderte Arbeiter in ein 20 Kilometer entferntes Städtchen mit dem Ziel der Erholung. Bis dato hatte kaum jemand Zeit und Geld, um zu reisen. 80 Stunden Arbeit pro Woche waren in der Zeit der Industrialisierung keine Seltenheit. Ende des 19. Jahrhunderts bot die Reederei Hapag dann erstmals eine (überaus teure) Kreuzfahrt von Hamburg durch das Mittelmeer an.

Gegen die brutale Ausbeutung der Arbeiterklassen kämpften zunehmend mächtiger werdende Gewerkschaften. In der Weimarer Republik gab es nun bereits bis zu 12 Tage Jahresurlaub – immer noch nicht genug, um wirklich eine Reise anzutreten. Die Nationalsozialisten gründeten mit der Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF) eine der ersten massentouristischen Organisationen. Das „Deutsche Volk“ sollte sich von seiner Arbeit erholen – und vor allem bereit einsatzbereit für den Krieg sein. Letzteres wurde aber selbstverständlich nicht propagiert. Ein Relikt dieser Zeit kann auf Rügen bestaunt werden, wie ich in meinem Beitrag zum Rügenurlaub erzähle.

Der letzte große Wendepunkt für die touristische Entwicklung ergab sich Ende der 1970er Jahre mit der Liberalisierung des Flugverkehrs. Die hoheitliche Kontrolle über Streckenführungen, Flugpreise und Marktzutritte wurde zunehmend aufgehoben und der Marktzugang erleichtert. Bis 1997 dauerte es in der EU an, dass alle Kontrollen abgegeben waren, die einen „freien“ Markt zuließen.

Kritik am Tourismus seit jeher

Seit Massen und nicht mehr nur die wohlhabenden Bürger*innen des Landes reisen – und sei es an den grünen Stadtrand mit seinen Naherholungsgebieten -, tobt ein Kampf. Verschmutzung, Müll, Lärm und mangelhaftes Verhalten bringt die Masse mit sich.

„Mäkeleien über Touristen gehören schon immer zum „guten Ton“ von Eliten, die sich gern über „Massenhaftigkeit“ der niederen Stände mokieren. Den Kritikern der siebziger und achtziger Jahre galten Touristen als dumpfbackige Täter, die auf ursprünglichen Landschaften bzw. den Gefühlen Einheimischer herumtrampeln.“

Edith Kresta, TAZ-Artikel

Mit der Verbreitung des Tourismus als Industrie wird der Tourist zum Konsument. Er wird gelenkt, gesteuert, gelockt und versorgt. Handelt der Tourist also selbst- oder fremdbestimmt? Waren es damals die Kataloge so sind es heute Influencer, die uns mit Destinationen umwerben. Gar mehr denn früher, stehen nach meiner Beobachtung Lebens- und Reisestile im Vordergrund der Werbung. Wer reist, der ist.

Und wer ist, der reist individuell. Während es wohl jedem einleuchtet, dass Massentourismus auf kleinster Fläche schlussendlich negative Folgen haben wird, ist dieser doch einfacher zu steuern. Ganz anders verhält es sich mit dem Individualtourismus, welcher in die Fläche geht.

Individualtouristen dringen in die 2-Zimmerwohnungen Manhattans, besetzen die Wochenendflieger nach Tallin, suchen die authentische Meditation auf Bali, verlangen die vegane Ernährung in Belgrad und der Wanderurlaub ist nur auf Neuseeland cool. Rastlos geht die Suche nach dem Besonderen fort, das sich abhebt. Den Individualtourismus zu steuern ist bedeutend schwerer.

Der Tourismus wächst und wächst

Wie bereits angeklungen, gab es für den Torismus – weltweit betrachtet – nur einen Weg – und zwar den nach oben. So stieg das jährliche Flugpassagieraufkommen im Jahr 2015 global um 100 % gegenüber dem Jahr 1990. Vergleichen wir das mit den Zahlen weltweiter Touristen (ohne Inlandstouristen) der unten stehenden Grafik, sehen wir eine sehr ähnlich verlaufende Kurve. Gab es 1990 noch 531 Millionen internationale Reiseankünfte, waren es 2017 bereits 1,322 Milliarden. Eine kleine Delle erhält die Grafik während der Finanzkrise.

Die Herausforderung: Der touristisch nutzbare Raum ist natürlich begrenzt. Stark besuchte Ziele werden überlastet und es treten offene Konflikte zwischen Anwohnern und Touristen zu Tage. Die Touristen werden zu Störfaktoren für Anwohner und auch die Touristen selbst nehmen die Masse als zu viel war. Beispiele dafür sind die Städte Amsterdam, Venedig, Barcelona und Dubrovnik, die Besteigung des Mount Everest, der indische Taj Mahal oder ein gar ein ganzes Land: Island.

Natürlich wissen wir inzwischen, dass diese Wachstumskurve mit der Corona-Pandemie eine wesentlich massivere Delle bekommen wird. Viele meiner Corona-Prognosen für den Tourismus sind eingetreten. Kurioserweise sind die eher klimaschädlichen Wirtschaftszweige Luftfahrt und Tourismus von Corona am meisten getroffen. Es gibt nach meiner persönlichen Ansicht aber keinen Grund, warum die Entwicklung des Tourismus nicht „nach“ der Pandemie wieder in genau diese Richtung schießen sollte.

Der Tourismus und seine gesellschaftliche Bedeutung

Das Recht auf freie Bewegung hat sich bis auf wenige Ausnahmen weltweit durchgesetzt. Reisen hat sich für alle, die mindestens der Mittelschicht ihres Landes angehören, zur Selbstverständlichkeit entwickelt. Noch nie war es für so viele Menschen so einfach, die Welt zu erkunden und Kulturen zu entdecken – was nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass die Mehrheit der Bevölkerung auf dem Planeten Erde nicht reist. Dass eben dieser Teil der Bevölkerung vom Tourismus lebt, ist jedoch nicht unwahrscheinlich.

Die Mehrheit der Weltbevölkerung reist nicht.

Wir halten noch einmal fest, dass der Tourismus eine weit verzweigte Querschnittsbranche ist, die stark wachstumsgetrieben ist. Das Wachstum bedarf einer Infrastruktur, die auf Touristen ausgerichtet ist: Hotels, Transportwege, Restaurants und vieles mehr wird benötigt. Dadurch werden viele – wenn auch niedrigqualifzierte und oft saisonale – Arbeitsplätze geschaffen. Im globalen Süden führt eine rasche Entwicklung des Tourismus von einer Agrar- zu einer Dienstleistungsgesellschaft.

Der Anstieg des Tourismus ist ein zweischneidiges Schwert. Er bringt Arbeitsplätze mit sich, die jedoch durch innere und äußere Katastrophen äußerst labil werden. Blitzartig kann politische Instabilität, ein Vulkanausbruch und Krankheiten eine ganz Wirtschaftsform zum Erliegen bringen. Es entstehen durch den Tourismus nicht selten Verdrängungsprozesse, denn die Entwicklung der Infrastruktur steht oft diametral zu Bestrebungen um Naturerhalt und traditionelle Strukturen. Macht- und Besitzverhältnisse von Land und Ressourcen können verschoben werden.

Einerseits können mit touristischen Einnahmen Traditionen gepflegt und erhalten werden. Andererseits bedroht ein zu intensiver und umfangreicher Tourismus eben jene Traditionen, Sitten und Gebräuche bedrohen. Eine Ausrichtung rein an den Bedürfnissen der Touristen, bringt sowohl das Landleben als auch den „Szenekiez“ gehörig durcheinander. Die Identifikation mit der „Heimat“ kann verloren gehen und das Ökosystem unter der Last an Touristen stark leiden. Deshalb begann man in den 1980er Jahren mit der Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus entlang ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Aspekte.

Im nächsten Teil dieser Reihe nehme ich den nachhaltigen Tourismus in den Fokus.

Tourismus in den Medien

Wer sich eingehender mit der Entwicklung und den Folgen des Tourismus beschäftigen möchte, bekommt hier eine kleine Auswahl an Links:

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