Peaks of the Balkans Erfahrungen

typisch wilde Blumenwiese auf dem Peaks of the Balkans

Im Juli 2021 verlassen mein Wandergenosse und ich die italienische Fähre im albanischen Hafen von Durrës. Voller Vorfreude auf Land und Leute setzen wir uns in einen der wartenden Busse Nach Shkodër, Endlich geht es los – Der Peaks of the Balkans ist nicht mehr weit und unsere Füße wollen nur noch eines: Loslaufen!

In diesem Beitrag findest du viele wichtige Informationen für dein nächstes Abenteuer zusammengefasst. Für rein fotografische Eindrücke empfehle ich dir meine passende Galerie.


Meine Peaks of the Balkans Erfahrungen zusammengefasst

Der Peaks of the Balkans ist ein fantastischer Fernwanderweg, der die Anstrengungen wert ist. Weite Ausblicke, tiefe Eindrücke und selten Handyempfang machen diesen abgelegenen Teil Europas zu einem echten Highlight. Als nachaltiges Entwicklungsprojekt in einer der ärmsten Regionen Europas gestartet, verbindet der Peaks of the Balkans heute über existierende Hirtenwege Siedlungen in Albanien, dem Kosovo und Montenegro.

Über 7 volle Tage erstreckte sich meine 112 Kilometer lange Wanderstrecke auf dem Peaks of the Balkans (siehe Karte und Komoot-Link). Das ist nicht die volle Distanz des Fernwanderwegs, war aber nichtsdestotrotz ein unvergessliches Abenteuer. Das Wetter im Juli war fröhlich, das Essen gut, die Wege spannend, die Aussichten grandios und die Menschen sehr freundlich.

Vorbereitung auf den Peaks of the Balkans

Genehmigungen und Kosten

Egal welchen Teil des Peaks of the Balkans du schlussendlich läufst, eine nationale, unbewachte Grenze wirst du also vermutlich passieren. Daher benötigst du vorab eine Genehmigung, die über den Anbieter Zbulo (Werbung?!) ganz einfach zu beziehen ist. Es ist nur leider ein wenig mühselig, Wochen im Voraus die genauen Tage der Übertritte anzugeben

Ich glaube jedoch, dass das fast niemanden interessiert. Dass du aber beispielsweise Albanien verlässt und in den Kosovo einreist, da du von Pristina nach Hause fliegst, sollte bei den Behörden elektronisch hinterlegt sein.

Die Kosten auf dem Trail summierten sich bei meinem Wandergenossen und mir wie folgt:

  • Tag 1: Theth; Doppelzimmer mit Abendbrot, Frühstück und Tagesproviant: 54€
  • Tag 2: Valbona; Moderne Hütte mit Abendbrot, Frühstück und Tagesproviant: 81€
  • Tag 3: Unterschlupf in einer Höhle
  • Tag 4: Çerem; Home Stay mit Abendbrot, Frühstück und Tagesproviant: 37€
  • Tag 5 & 6: Dobërdol: Rustikale Hütte mit Abendbrot, Frühstück und Tagesproviant: 53€
  • Tag 7: Milishevc; Home Stay mit Abendbrot und Frühstück: 46€

Packliste für deinen Rucksack

Was du benötigst, weißt du selbst am besten. Weniger ist oftmals mehr! Festes Schuhwerk und Regenbekleidung sind natürlich ein absolutes Muss. Altschneefelder können dir in den Bergen bis in den hohen Sommer begegnen, aber du musst vor ihnen keine Angst haben. Sie sind gut begehbar.

Das für uns Essentiellste auf der gesamten Tour war ein Wasserfilter. Ohne diesen wäre ich zwischendurch einmal gefühlt verdurstet – aber das ist eine andere Geschichte. Es sind reichlich Ströme vorhanden, aber eben auch Viehherden, die das Wasser für uns Menschen verunreinigen können.

Auf gängigen Outdoor-Blogs findest du eine Menge an Packlisten, die du vergleichen kannst und die ich hier nicht wiederholen muss.

Klimafreundliche Anreise

Viele Wege führen dich nach Albanien. Der folgenden Karte kannst du verschiedene Anreisemöglichkeiten mit Zug und Fähre entnehmen. Das schönste an der Anreise ohne eigenes Auto ist, dass du nicht am selben Punkt des Peaks of the Balkans enden musst. Du bist komplett frei in deiner Wahl. Schau dir dazu am besten auch die Karte mit den Einstiegspunkten an!

Wähle die dir passende Route und verbinde die An- und Abreise vor allem mit einem schönen Aufenthalt in Orten deiner Wahl. Ich habe mir z.B. Zeit für Bologna und Pristina im Kosovo genommen. Fliegen kann jeder, aber an meine An- und Abreise zum Peaks of the Balkans werde ich mich immer erinnern. Sie komplettiert nach meiner Erfahrung das Gesamtpaket Peaks of the Balkans. Es war genial!

Fliegen kann jeder, aber an eine abenteuerliche An- und Abreise zum Peaks of the Balkans wirst du dich immer erinnern. Sie gehört einfach dazu!

Mit dem Zug zum Peaks of the Balkans

Eine komplette Anreise mit dem Zug gelingt dir über den Westbalkan: die Strecke Budapest – Belgrad – Podgorica. Budapest ist aus vielen mitteleuropäischen Städten mit Nachtzügen erreichbar. Und bei der Zugstrecke Belgrad – Bar bzw. Podgorica spricht man von einer der spektakulärsten Zugverbindungen Europas. Wenn das mal kein Anreiz ist?

Für die italienische Variante fährt man über München. Die Verbindung nach Bologna und Venedig wird sowohl tags als auch nachts angeboten. Ab und zu fährt der Zug auch bis Rom durch. Welche genaue Destination du nun anpeilst, klärst du aber am einfachsten, in dem du den nun folgenden Abschnitt liest.

Mit der Fähre nach Albanien

Es stehen zwei sinnvolle Fährverbindungen der italienischen Küste zur Auswahl: Ancona – Durrës (16-19 Stunden) und Bari – Durrës (10-11 Stunden). Die drei große Anbieter, Grandi Navi Veloci, Adria Fernes und Ventouris Ferries, bringen dich entspannt über die Adria.

Aus Berlin startend, fuhr ich abends mit dem ICE nach München, dem späten Nachtzug nach Bologna, einem kurzen IC nach Ancona und anschließend mit der Nachtfähre von Adria Ferries nach Durrës. Da die Anreise bis nach Ancona schon nicht ohne war, genossen ich und mein Wandergenossen eine eigene Kabine mit Bad. Du kannst aber auch ganz entspannt die Matratze und Schlafsack zwischen den Stühlen ausrollen.

Auf dem Rückweg nahm ich die kürzere Fähre nach Bari und den langen Zug nach Bologna. Den Anschlusszug habe ich fast verpasst – lieber mehr Zeit zum Umsteigen einplanen! Da die Strecke bis nach Berlin sehr lang ist, genoss ich Bologna während eines ganztägigen Aufenthalts.

Einstiegspunkte

Auf dem Peaks of the Balkans gibt es vier triviale Einstiegspunkte (siehe Karte). Je nachdem wie du an- und abreisen möchtest (Anreisekarte nach Albanien), wählst du einen oder zwei Punkte aus. Die Anreise aus Shkodër ist wohl die am meisten gewählte. Der Minibus fährt am sehr frühen Morgen in knapp 3 Stunden nach Theth. Frag einfach im Ho(s)tel nach, die wissen alle Bescheid – auch über die Komanfähre.

Aus Podgorica nimmst du einfach einen öffentlichen Bus nach Plav, der mehrmals täglich fährt. Aus Pristina gibt es zweimal täglich einen Zug nach Peja – und fast stündliche Busse. In Peja gibt es Busverbindungen in die Rugova-Schlucht, die der Peaks of the Balkans doppelt kreuzt.

Schlafen, essen, bezahlen

Jede Siedlung entlang Weges ist auf deine Ankunft vorbereitet. Wir haben nie vorgebucht und sind immer fantastisch untergekommen. Vom super netten Home Stay bis zu einer modernen Ferienhütte war alles dabei. Bis auf Dobërdol gab es immer eine warme Dusche. Bezahlt haben wir oft in albanischen Leks oder Euro – im Kosovo gibt es sogar nur den Euro als Zahlungsmittel.

Du könntest auch auf dem Trail zelten, aber ich finde das eher fragwürdig. Trage dein Geld lieber in die lokale Gemeinschaft vor Ort, die sich sehr darüber freut. Wir reden hier von keinen Unsummen! Mir ist einmal fast die Hutschnur geplatzt, als ich beobachtet habe, wie ein Pärchen sein Hilleberg-Zelt mitten in der Hirtensiedlung Doërdol aufstellte.

Das Essen in den Bergen ist zwar nach einiger Zeit etwas monoton, aber sehr köstlich am Ende eines langen Tagesmarsches. In Theth und Valbona hatte unsere Unterkunft ein kleines Restaurant, andernorts wurden einfach aufgetischt. Zum Frühstück gab es Tee, Honig, Brot und Ei. Auch als Tagesproviant wurden wir mit frischem Brot, Gurke, Eier, Käse und Tomate versorgt.

Laden, laufen, navigieren

Die Wege des Trails sind keine angelegten Wege, sondern oft schmale Verbindungswege zwischen den kleinen Siedlungen. Auf albanischer Seite zeigen dir rot und weiß gestreifte Markierungen den Weg. Sie sind hier nicht besonders zahlreich, aber immer wieder vorzufinden. In Montenegro und dem Kosovo findest du zudem bekannte Schilder mit Entfernungsangaben.

Ganz klar von Vorteil ist der Rother-Wanderführer des Peaks of the Balkans. Neben grundsätzlich wichtigen Tipps zur Vorbereitung, helfen insbesondere die GPX-Dateien der Etappen zur Navigation. Ich habe mir einfach auf Komoot die Daten zusammengetragen, sodass ich offline auf dem Handy navigieren konnte. Besonders oft war dies aber nicht der Fall.

In jeder Siedlung gibt es eine Stromversorgung, aber ich empfehle dir ausreichend Akkus für die Kamera und eine Powerbank mitzunehmen. In Albanien erhältst du an jeder Straßenecke für sehr wenig Geld eine Sim-Karte mit genügend Datenvolumen, aber Handyempfang hast du selten.

Wohin nach dem Peaks of the Balkans?

Mount Korab besteigen

Du willst noch mehr wandern? Dann ab ins Korabgebirge! Die albanisch-nordmazedonischen Grenze verläuft auf dessen Kammlinie und gipfelt auf dem höchsten Berg Nordmazedoniens und Albanien: Mount Korab (2764m). Die nordmazedonische Seite ist Teil des Mavrovo Nationalparks und auch die albanische Seite ist geschützt (Naturpark Korab-Koritnik). Der Gipfel lässt sich an einem sehr langen Tag besteigen.

Wenn du aber etwas mehr Zeit übrig hat, lohnt sich die Wanderung von Shishtavec über Çajë nach Radomirë. Von dort aus kannst du anschließend Mount Korab besteigen. Damit hättest du zwei wundervolle Wandertage + die Besteigung des Mount Korab vor dir.

Albanische Riviera genießen

Wer sich – wie auch ich – nach den Strapazen erst einmal erholen möchte, den lockt die am wenigsten bebaute Riviera des Mittelmeeres! Im Süden Albaniens, von Vlorë bis Ksamil, bieten sich dir viele, viele Möglichkeiten, das Meer zu genießen. Achtung, es wird heiß!

In Tirana findest du problemlos Busunternehmen, die täglich mehrfach gen Süden fahren. Ein Highlight auf dem Weg nach Südenist es, über den Llogara-Pass (1027m) zu fahren. Von hier oben hast du einen ATEMBERAUBENDEN Blick auf das ionische Meer und die azurblaue Küste. Da springt dein Herz glatt mehrfach in die Höhe und du verpasst es vor lauter Fotos beinahe, den Anblick einfach nur zu genießen.

Entlang der Küste hast du von Dhërmi bis Sarandë die Qual der Wahl, wo du bleiben möchtest. Ich habe mich für Himarë entschieden, da dort ein einladendes Hostel lag. Von hier aus konnte ich mit anderen Backpackern Highlights wie Dhërmiu Beach, Gjipe Canyon und viele kleine, versteckte Buchten entdecken. Im Gjipe-Canyon sind übrigens viele Sportkletterrouten entwickelt worden. Wenn du dich hier außerhalb des Sommers aufhälst, findest du im Rother-Wanderführer Albanien viele lohnenswerte Tageswanderungen.

Der letzte wilde Fluss Europas: Vjosa

Auch in Albaniens Süden gelegen, befindet sich die 272km lange Vjosa. Ungestört von menschlichen Einflüssen wie Dämmen entwickelte sich ein einzigartiges Ökosystem, das in Europa seines Gleichen sucht. Die Einheimischen des Flusstals, nationale (EcoAlbania) und internationale Organisationen (Patagonia) kämpften jahrelang erbittert für den Erhalt dieser einzigartigen Region. Am 13. Juni 2022 war es soweit: Die Albanische Regierung erklärt offiziell, einen den ersten Wildflussnationalparks Europas zu errichten. Neben der „Hauptstadt“ Përmet gibt es viel zu entdecken. Auch hier hilft der Rother-Wanderführer Albanien.

Für einige filmische Eindrücke kannst du dir eine Arte-Doku sowie den Film Blue Heart von Patagonia anschauen..

Alternative: High Scardus Trail

Eine weitere Alternative ist der High Scardus Trail. Genauso wie der Peaks of the Balkans als nachhaltiges Entwicklungsprojekt für die Region erschlossen wurde, arbeiten Nordmazedonien, Kosovo, Albanien und die GIZ gemeinsam an der Entwicklung ihrer gemeinsamen, bergigen Grenzregion.

Das Gebirge ist weniger schroff als die albanischen Alpen, bietet aber mindestens ebenso fantastische Weltsichten! Wenn du also nicht auf den „Hype“ des Peaks of the Balkans aufspringen möchtest, bist du hier genau richtig!

Tierische Entdeckungen

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